hr-iNFO: David Garnett “Dame zu Fuchs”

David Garnett: Dame zu Fuchs Das Buch ist fast 100 Jahre alt. 1922 ist der Roman „Lady into Fox“ erstmals erschienen. Geschrieben hat ihn der Schriftsteller David Garnett, Mitglied der legendären Londoner Bloomsbury-Intellektuellengruppe. Jetzt ist der Roman unter dem Titel „Dame zu Fuchs“ neu ins Deutsche übersetzt worden.
hr-iNFO Bücherchecker Alf Mentzer hat den Roman gelesen.

Worum geht es?

Das Buch handelt von einem englischen Gentleman, Richard Tebrick, dessen Frau Silvia sich urplötzlich in eine Füchsin verwandelt, was für die Beziehung der beiden einiges an Herausforderung bedeutet. Richard nimmt diese an und versucht, mit der Füchsin ein normales Eheleben zu führen, doch ihr tierisches Wesen gewinnt immer mehr die Oberhand, bis sie eines Tages Reißaus nimmt, um im Wald eine neue Fuchsfamilie zu gründen. Doch damit ist diese verstörende Geschichte noch nicht zu Ende.

Wie ist es geschrieben?

Ein Mensch, der auf unerklärliche Weise zum Tier wird, das mag den einen oder anderen an Franz Kafkas „Verwandlung“ erinnern, die tatsächlich sieben Jahre vor „Dame zu Fuchs“ erschienen ist, aber David Garnetts Roman ist viel leichter und auch witziger als Kafkas düstere Tragödie. Das liegt vor allem an dem feinen, spöttischen Ton, mit dem der Erzähler die verzweifelten Versuche des unglückseligen Mr. Tebrick schildert, seine bürgerlichen Moral- und Wertvorstellungen im Umgang mit der Füchsin zu behaupten, was allein schon beim gemeinsamen Mittagsessen scheitert:
“Es war nahezu bedauerlich, dass Mrs Tebrick eine absolut wohlerzogene Frau gewesen war. Hätte sie, wie die europäische Prinzessin, mit der ich einmal zu Abend gegessen habe, zur Angewohnheit gehabt, eine Hühnerkeule einfach am Knochen zu packen und das Fleisch davon abzunagen, wäre es jetzt für ihren Mann vielleicht leichter gewesen. Da ihre Essmanieren aber exzellent gewesen waren, war deren Hinfälligkeit entsprechend schmerzhaft für ihn. Demnach stand er nun da und litt stille Qualen, bis sie mit dem widerlichen Zermalmen der Knochen fertig war und auch den letzten Rest verschlungen hatte.“

Wie gefällt es?

„Dame zu Fuchs“ ist eine wunderbar skurrile Geschichte über die Fragwürdigkeit der Grenze zwischen Mensch und Tier, zwischen Zivilisation und Wildheit. Es ist ein einfach zu lesender, aber schwer zu verstehender Roman, und das ist das Großartige daran: Gerade weil der Autor keinen Versuch macht, aufzuklären, was hinter dieser merkwürdigen Verwandlung steckt, bleibt es eine faszinierend irritierende Geschichte, über die man auch nach mehrfacher Lektüre noch herrlich weiter spekulieren kann.

David Garnett: Dame zu Fuchs, Dörlemann Verlag, Zürich, Euro 17, ISBN 9783038200260

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