hr-iNFO Büchercheck: Thea Dorn “Die Unglückseligen”

Die Schriftstellerin Thea Dorn ist eine vielseitige Frau. Sie ist Mitte vierzig, hat als Dozentin für Philosophie gearbeitet, Romane und Sachbücher geschrieben, Theaterstücke und Drehbücher. Jetzt gibt es wieder einen Roman von ihr: „Die Unglückseligen“.
hr-iNFO Bücherchecker Frank Statzner hat den Roman gelesen.

Worum geht es?
Das Buch handelt von nichts Geringerem als der Unsterblichkeit, dem Traum der Menschheit. In Thea Dorns Roman träumt ihn Johanna, eine junge Molekularbiologin. Jede Gelegenheit nutzt sie, um ihr Institut in Bayern verlassen zu können und in Kalifornien zu forschen, so wie sie es in Deutschland nicht darf. Dort gabelt sie einen kauzigen Typen auf, der sich als Johann Wilhelm Ritter entpuppt. Er ist ein deutscher Physiker aus der Goethezeit, also tatsächlich rund 250 Jahre alt. Trägt er den genetischen Code zum ewigen Leben in sich? Johanna analysiert seine Gene und findet zahlreiche Abweichungen von der Norm. Aber woher kommen die? Schon nahe dem Wahn, glaubt sie, der Teufel müsse seine Hand im Spiel haben.

Wie ist es geschrieben?
Thea Dorn lässt in diesem Buch 250 Jahre Naturwissenschaft und Philosophie am Leser vorbeiziehen. Sie kombiniert Wissenschafts- und Fantasy-Roman, lässt den Fauststoff in einem ganz aktuellen Wissenschaftsbezug wieder aufleben. Sie erzählt in Sprachen, die drei Jahrhunderte auseinander liegen und dazu auch noch in diversen deutschen Dialekten. Das ist spannend, verspielt, witzig. Zum Beispiel, als der untote Ritter auf eine bayrische Dörflerin trifft und die in seinem merkwürdigen Outfit gehörig erschreckt.
“Wo kemma Sie jezd her? Sie Deifi! Woins, dass i vor Schreck schdeab? All seine Artigkeit musste Ritter zusammennehmen, dass er nicht stracks Fersengeld gab. Verzeihen, die Dame! Wohl achtend, dass ihm die Mütze nicht vom Kopf fiel, verneigte er sich. Nicht war es meine Absicht, Sie zu ängstigen. Warum hörte das Weib nicht auf, ihn anzufunkeln? Zu meiner Betrübnis war’s uns bislang nicht vergönnt, Bekanntschaft zu schließen, redete er weiter in der Hoffnung, der Drachen sei mit guten Worten zu besänftigen. Gestatten, dass ich selbst mich vorstell: Der Mawet Hermann bin ich. Johannas Onkel. Sollte er die Hand ihr reichen? Nicht wagte er’s, so feindselig ward er immer noch gemustert. Woins mi dablägga, oda reens oiwei so g’schwoan dahea?“

Wie gefällt es?
Ich finde, Thea Dorn hat ein tolles Buch geschrieben. Nicht jedes Detail dieser phantastischen Story überzeugt wirklich, manches ist nicht logisch. Aber ich habe einiges gelernt und mich prächtig unterhalten.

Thea Dorn: Die Unglückseligen, Knaus Verlag, München, Euro 24,99,
ISBN 9783813505986

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