hr-iNFO Büchercheck: Jari Järvelä „Weiss für Wut“

Das Buch „Weiss für Wut“ von Jari Järvelä ist kein klassischer Krimi, hier sucht kein Kommissar nach einem Mörder. „Weiss für Wut“ ist ein Spannungsroman um Street-Art-Künstler in Finnland.

hr-iNFO Büchercheckerin Karin Trappe hat den Roman gelesen.

Worum geht es?

Während der interna0tionale Graffiti-Star Banksy weltweit gefeiert wird, ist die Welt für die normalen Sprayer und Street-Art-Künstler doch wesentlich anstrengender. Metro ist eine 19jährige Frau, die mit ihrem Freund nächstens unterwegs ist, um sich an ungewöhnlichen Orten mit heimlich gesprayten Kunstwerken zu verewigen. Immer auf der Hut vor den Sicherheitsdiensten, die sie Ratten nennen. An einem Abend auf dem Rangierbahnhof werden sie entdeckt – Metro kann fliehen, doch ihr Freund Rust wird von den Sicherheitskräften verfolgt und schließlich auf einem Dach in die Enge getrieben.

„Rust schob sich ein paar Meter höher in Richtung der beiden Ratten auf dem Dach. Schließlich streckte er die Hand aus, damit die Ratte sie ergreifen konnte. Einen Augenblick lang sahen die beiden aus wie Adam und Gott auf Michelangelos Fresko an der Decke der Sixtinischen Kapelle. …Doch urplötzlich zog der Rattengott seine Hand zurück und stieß Rust den Teleskopstock gegen die Brust. In diesem Augenblick blieb meine innere Uhr stehen.“

Danach ist Metro nur noch von Rache getrieben. Sie findet heraus, welche Sicherheitsleute an dem Abend Dienst hatten, sie glaubt, den Täter gefunden zu haben und schikaniert ihn. Stellt ihn öffentlich bloß. Ruiniert ihn. Und setzt damit eine neue Welle der Gewalt in Gang.

Wie ist es geschrieben?
Rasant und sehr spannend – „Weiss für Wut“ von Jari Järvelä ist ein dramatisches Buch, geschrieben aus zwei Perspektiven: von Metro, der jungen Frau, die nach dem Mord an ihrem Freund keinen anderen Weg kennt, als ihre Trauer in Rache umzuwandeln. Und von Jere, dem Sicherheitsmann, dem das Leben zur Hölle gemacht wird, und der nun alles daransetzt, diese Qualen zu beenden. Diese eskalierende Gewalt ist roh, brutal und direkt beschrieben – doch „Weiss für Wut“ ist kein düsteres Werk, kein pessimistischer Buch – der Krimi ist auch leicht und manchmal sogar humorvoll.

Wie gefällt es?
„Weiss für Wut“ ist ein Krimi, in dem mehr steckt als nur die oberflächliche Auseinandersetzung zwischen zwei Gegenspielern, den Sprayern und dem Sicherheitsdienst. Mir hat die gut recherchierte Geschichte um die europäische Street-Art-Szene sehr gut gefallen, bei der erörtert wird, wem eigentlich der öffentliche Raum gehört, warum in Finnland Graffitis so heftig verfolgt und bestraft werden, während alle Straßen voller Werbung und Reklametafeln sind. Ein Einblick in eine Szene, die ich so noch nicht gekannt habe.

Jari Järvelä: Weiss für Wut, carl’s books, 14,99 Euro, ISBN: 9783570585528

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