hr-iNFO Büchercheck: “Der Anruf”

Es ist mal wieder Zeit für einen Krimi in unserer Büchercheck-Rubrik. In die Welt der Geheimdienste und der Terroranschläge führt uns der neue Kriminalroman des US- Amerikaners Olen Steinhauer mit dem Titel „Der Anruf“. Und der Titel, dieser Anruf, führt schon mittenhinein in das Geschehen. Karin Trappe hat den Spionagethriller „Der Anruf“ für hr-info gelesen.

Bewertung

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Worum geht es?

Flughafen Wien im Jahr 2006: Terroristen haben ein Flugzeug mit 210 Menschen gekapert und fordern die Freilassung von Gesinnungsgenossen. Zufällig sitzt ein Kurier der CIA in der Maschine und versorgt sein Geheimdienstbüro in Wien mit Informationen über die Lage im Flugzeug. Bis zu einem Anruf von diesem CIA- Büro mit einem führenden Terroristen… Der Kurier ist enttarnt, die Pläne der CIA sind aufgeflogen. Die Terroristen töten alle 210 Insassen des Flugzeugs. Jahre später soll der CIA-Agent Henry Pelham, damals an der Aktion beteiligt, die letzten Zweifel an dem Drama in Wien ausräumen. Wer hat damals von dem CIA-Büro aus die Terroristen angerufen? Wer hat den Verrat begangen? Wer ist schuld am Tod von 210 Menschen? Henry fährt zu seiner damaligen Kollegin Celia, mit der er in Wien eine Liebesbeziehung hatte. Bis sie, direkt nach dem Fiasko auf dem Flughafen, Wien und ihrer Agentenarbeit den Rücken kehrte, heiratete und sich in den USA niederließ. Henry liebt Celia immer noch, doch jetzt treibt ihn nur noch der unbedingte Wille, das damalige Geschehen aufzuklären. Denn er weiß: Celia wusste von dem Anruf, hat ihn jedoch verheimlicht. Ist sie also schuld? Und so sitzen sich Henry und Celia in einem Restaurant in Kalifornien gegenüber…

Wie ist es geschrieben?

„Der Anruf“ von Olen Steinhauer ist in weiten Teilen ein Kammerspiel. Ein Restaurant, zwei Menschen, ein langes Gespräch. Es entspinnt sich ein packendes, wechselseitiges Verhör. Wir lesen von Henrys und von Celias Erinnerungen. Henry scheint sich sicher zu sein, dass Celia die Verräterin ist. Er will wissen, warum sie es getan hat. Celia dagegen wirkt arglos, selbstsicher, unbekümmert.

Zitat: Ungeduldig winke ich ab. „Celia, ich möchte ganz ehrlich sein. Das sieht überhaupt nicht gut aus. Alle wissen, dass das Büro an diesem Tag nur von zwei Leuten benutzt wurde. Von Bill und von dir. Und die Tatsache, dass du deine Erkenntnisse verschwiegen hast, spricht nicht unbedingt für dich. Du musst mir einen Grund nennen – einen guten, plausiblen Grund -, weshalb du die Beweise vor uns allen versteckt hast.“
Ihr stehen Tränen in den Augen, doch sie hält sie zurück. Auch die Arme hat sie abwehrend verschränkt. Weil sie nicht antworten will, fahre ich fort.
„Für Interpol kämen da nur zwei Möglichkeiten infrage. A) Du wolltest Bill schützen, den du wie einen Vater geliebt hast. B) Du wolltest dich selber schützen. Also, Cee, was trifft zu? A oder B?“

Wer ist schuld, wer hat mit den Terroristen kooperiert und damit 210 Menschen auf dem Gewissen? Von Kapitel zu Kapitel, von Seite zu Seite, von Zeile zu Zeile steigert sich die Dramatik – und endet in einem Knall. Was natürlich jetzt hier nicht verraten werden kann.

Wie gefällt es?

Gegen Ende konnte ich nicht mehr loslassen. Ich war mir so sicher, und dann schwankte ich wieder. War es wirklich Celia? Aber warum sollte sie? Oder deckt sie jemanden? Aber wen? Gibt es noch eine andere Möglichkeit? „Der Anruf“ von Olen Steinhauer ist ein Buch, das mich völlig in Beschlag genommen hat. Ich wollte, ich musste wissen, wer es war, wer damals den Terroristen angerufen, damit die Geheimdienste verraten und 210 Menschen bewusst in den Tod geschickt hat. Eine irre Geschichte, eine spannende Erzählung, ein realistisches Setting. Extrem empfehlenswert.

 

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