hr-iNFO-Büchercheck: Denise Mina “Die tote Stunde”

Denise Mina: Die tote Stunde
Der neue Krimi der schottischen Autorin Denise Mina spielt in Glasgow Mitte der 1980er Jahre: „Die tote Stunde“. Es sind die Jahre des wirtschaftlichen Niedergangs.
hr-iNFO Büchercheckerin Karin Trappe hat das Buch gelesen.

Worum geht es?
Paddy Meehan ist eine junge Journalistin bei den Scottish Daily News. Seit Wochen hat sie Nachtschicht. Überfälle, Unfälle, Schlägereien, Gewalt, das sind ihre Themen. Der Polizeifunk führt sie diesmal in einen reichen Vorort. Eine Frau wurde übel zugerichtet. Paddy sieht sie einen kurzen Moment durch den Türspalt. Die Polizei will die Sache nicht weiter verfolgen, die Frau selbst habe darum gebeten, und auch Paddy lässt sich vom Hausbesitzer abwimmeln. Trotzdem hat sie Gewissensbisse, erst recht, als am nächsten Morgen die Leiche der Frau gefunden wird.

Wie ist es geschrieben?
Denise Mina hat in ihrem Krimi „Die tote Stunde“ eine starke Protagonistin geschaffen. Die Reporterin Paddy liebt ihren Job, hat aber auch ständig Angst um ihn, leidet unter den Kollegen, hat aber dennoch einige Verbündete. In ihrer Arbeit ist sie manchmal halt- und orientierungslos wie im Leben überhaupt, und das schafft die Autorin stilistisch überzeugend darzustellen. Dass Denise Mina die Arbeiterklasse am Herzen liegt, schwingt dabei immer mit. Nicht aber, ohne die Spannung zu vernachlässigen. Ganz im Gegenteil. Bald wird Paddy nicht nur von den Mördern, sondern auch von der Polizei unter Druck gesetzt. Wirklich Angst bekommt sie, als ein Brandanschlag auf ihr Redaktionsauto mit Fahrer Billy verübt wird.

“Ein glühender Ball aus orangerotem Licht verbrannte die empfindliche Hornhaut von Paddys Augen, bevor sie auch nur Zeit hatte, zu blinzeln. Sie fiel nach hinten, hielt sich die Hand vor Augen und stolperte über die Treppe. Sie hörte das Feuer im Auto aufflammen und knistern. Jede Scheibe im Auto war geplatzt und zersplittert, wütende orangefarbene Flammen züngelten bis zum Dach. Die Fahrertür stand offen. Billy lag auf dem Boden, doch ihr Blick auf ihn war verstellt durch Ärzte und Schwestern. Zwischen den Beinen der Mediziner sah man einen verkohlten Arm, die rohen roten Finger zu einer Klaue zusammengekrümmt.“

Wie gefällt es?
„Die tote Stunde“ von Denise Mina hat so vieles, das mich beeindruckt hat. Es ist ein fesselnder Krimi und eine einfühlsame Sozialreportage. Das Skandalöse wird unaufgeregt beschrieben. Das ist manchmal hart bis an die Schmerzgrenze, aber glaubwürdig. Korruption bei der Polizei ist das große Thema dieses überaus spannenden Krimis.

Denise Mina: Die tote Stunde, Heyne Verlag, München, Euro 9,99, ISBN 9783453434929

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