hr-iNFO Büchercheck: Corinna T. Sievers “Die Halbwertszeit der Liebe”

Die Autorin Corinna T. Sievers ist Kieferorthopädin. Darüber hinaus schreibt sie Bücher. In denen geht es immer um Sexualität, auch um Gewalt und um die Liebe. So auch in ihrem jüngsten Werk „Die Halbwertszeit der Liebe“.
hr-iNFO Bücherchecker Frank Statzner hat den Roman gelesen.

Worum geht es?

Margarete ist Mitte 40, erfolgreiche Fachärztin für plastische Chirurgie. Sie hat Geld, keine Kinder, von ihrem Mann ist sie getrennt. Sie hält sich für körperlich abstoßend, ist offensichtlich magersüchtig und sie empfindet nichts beim Sex. Aber sie sucht die Liebe, wünscht sich sogar Kinder. Eigentlich hat Margarete einen genauen Plan. Sieht sie einen Mann, nimmt sie Maß. Sie analysiert genau, wie viel Fett man ihm absaugen müsste und vielleicht zur Stärkung seines Penis verwenden könnte. Dann trifft sie auf einem Fachkongress Hans Heinrich und beschließt, ihn zu lieben. Wie nach einem Operations-plan wird das Projekt Liebe von beiden angegangen. Ein erster Höhepunkt soll ein Wochenende in der Engadiner Bergwelt sein. Spätestens da wird deutlich, dass es im Wesentlichen um Befriedigung geht und das dazu offensichtlich auch eine gewisse perverse Erfüllung gehört.

Wie ist es geschrieben?

Corinna Sievers erzählt die Geschichte konsequent aus Margaretes Perspektive. Die Beschädigungen und Brüche dieser Person werden so besonders deutlich, wie bei Werten in einer Laboranalyse. Dazu passt die klinisch kalte und protokollarische Sprache, mit der Sievers erzählt.

“Sie haben Bäuche, eine Fettabsaugung könnte Abhilfe schaffen, ich schätze das Volumen des abzusaugenden Gewebes; im Fall des rechts Stehenden ein knapper Liter, links einskommafünf, der Mittlere leidet an schwerer Fettleibigkeit, zweikommafünf. Für den Eingriff verwende ich ausschließlich manuell bediente Saugspritzen, der degressive Sog ermöglicht gewebeschonendes Arbeiten, Gleiches gilt für den Gebrauch von Mikrokanülen (Durchmesser ein bis zwei Milimeter statt üblicherweise drei bis acht). Zwingend ist ihr Einsatz, wenn das abgesaugte Material zum Fetttransfer verwendet wird, üblicher Empfängerort: das männliche Glied.“

Wie gefällt es?

Zwei professionell degenerierte und psychisch lädierte Mediziner suchen den Kick. Irgendwann wurde mir das bizarre sexuelle Gedöns zu langweilig, die Story zu konstruiert und überzogen, die Figuren fast zu Karikaturen. Es bleibt allerdings die Sprache von Corinna Sievers. Das ist ein eigener Ton.

Corinna T. Sievers: Die Halbwertszeit der Liebe, Frankfurter Verlagsanstalt, Euro 22,00, ISBN 9783627002251

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