hr-iNFO Büchercheck: Andreas Meier “Der Kreis”

Mit einem elfbändigen Romanwerk setzt der vielfach ausgezeichnete Schriftsteller Andreas Maier der Wetterau eine Art Denkmal. Maier wurde in Bad Nauheim geboren und beschreibt in seinem Romanprojekt das Aufwachsen seiner Ich-Figur in der Provinz. Nach „das Zimmer“, „Das Haus“, „Die Straße“ und „Der Ort“ ist jetzt ist Band 5 erschienen: „Der Kreis“.
hr-iNFO Bücherchecker Frank Statzner hat den Roman gelesen.

Worum geht es?
Wann und wie entdeckt ein Mensch in sich den Drang zur Kunst oder Künstler zu werden? Darum geht es im Roman, der im Bücherzimmer der Mutter beginnt, wo der Junge staunend eine andere Welt wahrnimmt als draußen, hinter der Fensterscheibe. Eine Welt von Wissen, Philosophie und Poesie. Aus der Kindperspektive nimmt Maiers Ich-Figur die Existenz dieser zweiten Welt als „Durchwehen“ wahr. Mit zunehmendem Alter weitet sich der Kreis und am Ende dieses 5. Bandes ist ein Künstler geboren.
Wie ist es geschrieben?
Der Titel des Buchs beschreibt die Struktur des Romans. Maier kreist um die einzelnen Erlebniswelten seiner Figur. Er beschreibt sehr sensibel und genau Phänomene ihres Lebens. So kann er die Stufen der Sensibilisierung für die Kunst detailreich darstellen. Das wirkt sehr authentisch, alltäglich und doch auch scharf analysiert.
„Ich hatte immer nach dem Wesen gesucht, das im Bücherzimmer beherbergt sein müsse. Ein Wesen, das auch bei Usinger ein und aus geht, und das Zimmer im ersten Stock war vielleicht nur eingerichtet, um dieses Wesen auch in unserem Haus empfangen zu können. Ein für dieses Geistwesen gebauter Tempel. Das Zimmer schien dieses Wesen herbeirufen zu wollen … und verursachte dieses Durchwehen des Raumes, wie ein zeitweiliger Besucher.“
Wie gefällt es?
Ich finde, Band 5 ist in Andreas Maiers Romanprojekt ein Höhepunkt. Das Konzept, das Ich in seinem Verhältnis zur Gesellschaft und damit die Gesellschaft an sich zu analysieren, wird hier nochmal erweitert. Eben durch die Frage, wie der Mensch die Kunst entdeckt und sie sich aneignet. Das ist eine neue Dimension. Sehr interessant. Vor allem, weil Maier dabei nicht akademisch bleibt, sondern diese Frage eng an reales Leben knüpft und aus den Beobachtungen beziehungsweise Erinnerungen an seine eigene Kindheit die Antworten ableitet. Schade nur, dass die Spannungskurve nicht ganz bis zum Ende hält. Aber trotzdem war die Lektüre für mich ein Gewinn.

Andreas Maier: Der Kreis, Suhrkamp Verlag, Euro 20, ISBN 9783518425473

Zum hr-iNFO Büchercheck

Jetzt bestellen