hr-iNFO Büchercheck: Liza Cody „Miss Terry“

Es geht nach London, zu einer jungen Lehrerin, in England geboren, mit pakistanischen Wurzeln. Sie lebt in einer Eigentumswohnung, müht sich redlich, nirgendwo anzuecken – und wird dann doch unvermutet in eine Mordermittlung hineingezogen.
hr-iNFO Büchercheckerin Karin Trappe hat den Krimi gelesen.

Worum geht es?
Miss Terry heißt eigentlich Nita Tehri und lebt ein zurückgezogenes Leben. Seit einigen Tagen werden ihre Blicke von einem Müllcontainer angezogen, der auf ihrer Straße abgestellt wurde, und der sich mit Abfall jeglicher Art füllt. Da klingelt die Polizei an ihrer Tür und will wissen, ob sie Leute an dem Container beobachtet habe. Und ihre Nachbarn hätten erzählt, sie hätte in letzter Zeit einiges an Gewicht verloren? Nita sind diese Fragen zu intim, sie wirft den Polizisten raus. Später erfährt sie, dass eine Babyleiche in dem Container gefunden wurde. Und dass die Polizei glaubt, sie habe ihren Säugling umgebracht. Zunächst fühlt sie sich sicher, ist sie doch unschuldig, doch die Polizei bedrängt sie weiter. Ihre Welt ist aus den Fugen geraten.
Wie ist es geschrieben?
Die Krimis von Liza Cody verdienen eine große Öffentlichkeit – es ist ein Vergnügen, ihr neuestes Werk mit dem Titel „Miss Terry“ zu lesen. Das Buch ist geschrieben aus der Sicht von Nita Tehri, einer jungen Frau, an deren Naivität man verzweifelt, mit der man leidet, der man beispringen möchte angesichts ihrer Unsicherheit und Verzweiflung.
„Das ist so zeitgemäß, dachte Nita stolz, zwei schwule Jungs in meiner Küche, zwei Männer in meiner Küche. Ich koche für zwei Kerle, die nicht mit mir verwandt sind. Es ist ganz normal. … „Ich sag’s ihr“, verkündete Toby. … „Ich weiß nicht“, sagte Leo und nahm einen Schluck aus seiner Flasche. … „Himmel, nun kommt schon!“ „Also schön“, sagte Toby rasch. „Sergeant Cutler wollte Folgendes wissen: Wie lange wohnst du hier schon? Kennen wir deinen Mann? Und haben wir dir geholfen, das Baby zu kriegen?“ „Was?“ „Natürlich haben wir ihm geantwortet, seit sechs Monaten, und nein, und wovon zum Teufel reden Sie denn da. Bist du verheiratet, Nita? Bisher hab ich hier noch nie auch nur den Hauch von einem Kerl gewittert.“
Wie gefällt es?
„Miss Terry“ von Liza Cody ist ein leiser Krimi, eine Geschichte, die anfangs viele Rätsel aufstellt und nach und nach die Wahrheit entblättert. Der Sog, in den Nita Tehri gerät, ist auch ein Sog, den ich beim Lesen bis zur letzten Seite empfunden habe. Dabei wird die Diskriminierung fremd aussehender Menschen thematisiert, aber auch die frauenfeindlichen Traditionen anderer Kulturen. Das alles ist aber nicht bitterernst, sondern mit Witz und Komik geschrieben – und dazu kommt ein durchaus skurriles Personal, das mein Lesevergnügen noch gesteigert hat.
Liza Cody: Miss Terry, Ariadne Argument Verlag, 17 Euro, ISBN: 9783867542197

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