hr-iNFO Büchercheck: John Williams „Augustus“

Der amerikanische Schriftsteller John Williams war eine der großen Wiederentdeckungen der vergangenen Jahre. Jetzt ist ein weiterer seiner Romane erstmals ins Deutsche übersetzt worden – „Augustus“ heißt er.
hr-iNFO Bücherchecker Alf Mentzer hat den Roman gelesen.

Worum geht es?

„Augustus“ ist auf den ersten Blick ein Historienroman, ein Roman über den römischen Kaiser Augustus, der 44 vor Christus als Gaius Octavius im Alter von 19 Jahre das Erbe seines ermordeten Steifvaters Julius Caesar übernimmt; der sich gegen seine machthungrigen Kontrahenten durchsetzt, der die Bürgerkriege im römischen Reich beendet und der Stadt eine 60 Jahre währende Zeit des inneren Friedens und der Stabilität beschert.
Aber dieser Roman ist gleichzeitig eine Art römisches „House of Cards“, ein durch und durch moderner Roman über Intrigen und Verrat, über Spin-Doktoren und Strippenzieher, die vor 2000 Jahren schon genauso ihr Unwesen getrieben haben wie heute.

Wie ist es geschrieben?

„Augustus“ ist ein vielstimmiger Roman, das Who is Who der römischen Geschichte – Caesar, Marc Antonius, Cleopatra und viele mehr – sie alle kommen hier zu Wort. Williams hat Briefe, Tagebucheintragungen genauso wie militärische Erlasse oder Spitzelbrichte erfunden – besser gesagt, nacherfunden – und baut daraus Stück für Stück ein mosaikartiges Bild dieses mächtigsten Mannes der römischen Welt zusammen. Wobei jede der vielen einzelnen Mosaiksteine immer nur einen Teil der Wahrheit widergibt und mitunter sogar vollkommen daneben liegt – etwa wenn der berühmte Redner Cicero nach seiner ersten Begegnung mit Octavius, dem späteren Kaiser Augustus, vollmundig schreibt:
„Ich habe Octavius getroffen. Er hält sich im Landhaus seines Stiefvaters auf, das gleich neben meinem liegt. Der Junge ist ganz ohne Bedeutung, ihn brauchen wir nicht zu fürchten. Ich glaube, er hat großen Respekt vor mir, und ich denke, er könnte sogar auf unsere Seite wechseln, sofern ich dies nur mit entsprechendem Feingefühl angehe. Wir werden ihn benutzen, um ihn später aus dem Weg zu räumen. Damit fände dann die Erbfolge des Tyrannen ihr Ende.“
Das ist eine gefährliche Fehleinschätzung, die Cicero noch teuer zu stehen kommen wird.

Wie gefällt es?

Eigentlich bin ich kein großer Fan von historischen Romanen, aber nach zehn Seiten hat mich dieser Augustus gepackt, und bis zum Schluss nicht mehr losgelassen. Dieser Roman ist nicht nur eine spannende Darstellung der römischen Geschichte, er ist auch eine tiefsinnige Reflexion darüber, was es überhaupt heißt, Teil einer Geschichte, Teil der Geschichte zu sein. Das, und die Weise, wie er erzählt wird, machen diesen Roman so modern und lassen uns „Augustus“ als einen Zeitgenossen erleben – eine absolut faszinierende Lektüre – nicht nur für Freunde des Sandalenfilms.

John Williams: Augustus, Hörverlag, 22,99 EUR, ISBN: 9783844523713
John Williams: Augustus, dtv Verlagsgesellschaft, 24 EUR, ISBN: 9783423280891

Jetzt bestellen

Bitte tragen Sie sich hier für unseren Newsletter ein:

[wysija_form id=”1″]