hr-iNFO Büchercheck: Jane Harper “The Dry”

In dieser kühlen/kalten Jahreszeit führt uns das Krimi-Debüt „The Dry“ der Autorin Jane Harper in die unerträgliche Hitze einer australischen Kleinstadt, in der es seit Monaten nicht mehr geregnet hat, die Bauern verzweifeln und die Nerven aller zum Zerreißen gespannt sind.
hr-iNFO Büchercheckerin Karin Trappe hat den Krimi gelesen.

Worum geht es?
Steuerfahnder Aaron Falk kehrt in sein Heimatdorf zurück, ein trauriger Anlass: sein früherer Schulfreund Luke Hadler ist tot, seine Frau und sein Sohn erschossen. Augenscheinlich war Hadler der Täter – erweiterter Selbstmord, wegen der anhaltenden Dürre und der Aussichtslosigkeit, das Leben als Farmer weiterführen zu können. Doch Hadlers Vater hat Zweifel, er bittet Falk, die Hintergründe herauszufinden, und gemeinsam mit dem örtlichen Sergeant Raco macht sich Falk auf die Suche nach der Wahrheit. In dem Dorf schlagen ihm allerdings Skepsis und zunehmend offene Feindschaft entgegen: denn Falk war als Jugendlicher in Verdacht geraten, am Tod seiner Klassenkameradin Ellie Schuld zu sein, mit seinem Vater musste er schließlich den Ort verlassen. Und die alten Geschichten wirken noch, die Verquickungen und Feindschaften zwischen den Bewohnern lassen die aggressive Stimmung parallel zur Hitze im Dorf eskalieren.

Wie ist es geschrieben?
Jane Harper beschreibt mit einer mächtigen Bildsprache atmosphärisch dicht die Lage in einem Dorf, in dem jeder jedem misstraut, in dem alle Geheimnisse haben, keiner mit der Wahrheit herausrückt. Man spürt förmlich die Hitze auf der Haut, den trockenen Mund, die rohe Wut der einen und die verzweifelte Hilflosigkeit der anderen.
„Das einzige Geräusch im Raum war das Summen der Neonröhren, während Dow lange auf den Beleg starrte. Dann schlug er plötzlich ohne Vorwarnung klatschend mit der flachen Hand auf den Tisch. Falk und Raco zuckten zusammen.„Das hängt ihr mir nicht an!“ Ein feiner Sprühnebel Speichel flog aus Dows Mund auf die Tischplatte. „Was hängen wir Ihnen nicht an, Grant?“ Racos Stimme war betont neutral. „Diese verdammte Familie. Wenn Luke plötzlich auf die Idee kommt, seine Frau und sein Kind abzuknallen, ist das seine Sache.“ Er zeigte mit einem dicken Finger auf die Ermittler. „Aber das hat einen Scheißdreck mit mir zu tun, verstanden?“ Dow starrte Falk an und schüttelte den Kopf. Sein Hemdkragen war schweißgetränkt. „Mann, du kannst mich mal. Mit Ellie hast du schon genug Schaden angerichtet. Mich und meinen Onkel machst du nicht auch noch fertig. Das ist eine Hexenjagd.“

Wie gefällt es?
„The Dry“ von Jane Harper ist ein nahezu perfekter Krimi, ein ungemein spannendes Buch, das ich, auch wenn es wie ein Klischee klingt, irgendwann tatsächlich nicht mehr aus der Hand legen konnte. Gegen Ende gibt es auf fast jeder Seite neue Indizien, in immer schnellerer Taktzahl wird dazu in die Vergangenheit zurückgeblendet, die Spannung steigt. „The Dry“ von Jane Harper ist ein atemraubender Thriller mit einem fast explodierenden Ende – und das ist wortwörtlich gemeint. Unbedingt lesen!

Jane Harper: The Dry, Rowohlt Polaris, 14,99 EUR, ISBN: 9783499290268

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