hr-iNFO Büchercheck: Alex Capus „Das Leben ist gut“

Der Ich-Erzähler in diesem Buch ist wie der Autor ein Schriftsteller. Und wie der Autor betreibt er eine Kneipe in einer Schweizer Kleinstadt. Er hat eine Familie. Drei Söhne, eine Frau. Mit ihr hat er seit Jahrzehnten eine glückliche Ehe, geprägt von Liebe, Treue und Nähe. Seine Kneipe ist gewissermaßen sein Medium, die Welt wahr zu nehmen.
hr-iNFO Bücherchecker Frank Statzner hat den Roman gelesen.

Worum geht es?
Max, der Autor und Kneipier, denkt über sein Leben nach. Ausgelöst wird das durch eine Gastprofessur, die seine Frau an der Pariser Sorbonne wahrnimmt. Zum ersten Mal seit 25 Jahren verbringen sie einige Tage in der Woche getrennt. Die Geschichte umspannt die erste Woche dieser Trennung. Max macht sich Sorgen. Wird ihm seine Frau treu bleiben? Er beobachtet die Kinder, wie sie auf das Fehlen der Mutter reagieren. Aber alles bleibt im grünen Bereich. Max lebt in seinen Tagesstrukturen weiter. Bringt das Altglas seiner Bar zum Container, öffnet und schließt zu gewohnten Zeiten, wischt die Theke und führt seine Gespräche mit den Gästen. Macht, was eben zu machen ist. Und fühlt sich wohl im Vertrauten.
„Wenn mich jemand fragt: weshalb ich die Sevilla Bar gekauft habe, antworte ich dies: weil es im Städtchen keine Bar nach meinem Geschmack gab und weil ich mir ein Leben ohne eine gute Bar nicht vorstellen kann. Es darf nicht sein, dass wir unsere gesamte Lebenszeit in keimfreien Büros und keimfreien Fitnessstudios, keimfreien S-Bahnen und keimfreien Wohnzellen zubringen, und es darf nicht so weit kommen, dass die Menschen einander nur noch im Internet begegnen.“
Aber dieser Kneipier ist eben auch Schriftsteller. Und deswegen ist sein realer Alltag nur ein Teil seines Lebens. Der andere Teil ist seine Phantasie, die Kreativität seiner Gedanken. Er nimmt auf, was er hört und sieht und spinnt es weiter.

Wie ist es geschrieben?
Alex Capus ist nah bei seinen Protagonisten. Wie er sie schildert, wie er ihre Geschichten erzählt, der Ton, die Perspektive, das wirkt fast wie ein liebevolles Streicheln. Selbst ätzende Leute werden eher als kurios beschrieben denn als unsympathisch. Dahinter wird die Neugierde auf Menschen und ihre Geschichten deutlich, eine Leidenschaft für unmittelbare Kommunikation, Blickkontakt und Anfassen. Das schafft einen poetischen Grundton.

Wie gefällt es?
Man könnte meinen, dieser ausschnitthafte Blick auf die Welt sei eng und langweilig. Denn die Krisen unserer Tage, die uns so durchschütteln, schaffen es nicht bis in die Kneipe und damit bis in den Kopf und das Herz des Ich-Erzählers. Das Buch birgt auch einzelne Klischees. Dennoch finde ich es größtenteils gelungen und wichtig. Es ist gut, wo es nah an den Menschen ist und in sie vordringt. Und es ist wichtig, weil es uns eine Perspektive auf die Welt vorführt, die jedem von uns eine Option bietet. Es gibt Mittel und Wege zumindest daran zu arbeiten, dass das Leben gut ist.

Alex Capus: Das Leben ist gut, Carl Hanser Verlag, 20 EUR, ISBN: 978-3446252677

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