Uncategorized

hr-iNFO Büchercheck: Patricia Melo “Trügerisches Licht”

Die Autorin Patrícia Melo wirft mit dem Krimi „Trügerisches Licht“ einen Blick auf ein Brasilien, das in Gewalt zu versinken droht.
hr-iNFO Büchercheckerin Karin Trappe hat das Buch gelesen.

Worum geht es?
Der äußerst populäre Fernsehstar Fábbio Cássio sonnt sich in seiner Beliebtheit und steht endlich auch auf der Bühne eines Theaters. Doch dann passiert es. Die Waffe, mit der sich der von ihm gespielte Protagonist am Ende erschießt, ist tatsächlich geladen. Fábbio Cássio stirbt auf der Bühne, und das ganze Land ist in großer Aufruhr, die Polizei unter Druck. Azucena, die Leiterin der Spurensicherung bei der Polizei von Sao Paulo, übernimmt die Ermittlung.
“Sie ging neben dem Leichnam in die Hocke und untersuchte ihn sorgfältig. Der Mann war noch jung. An seiner rechten Schläfe klaffte eine von Schmauchspuren umgebene Wunde. Pulverbestandteile hatten sich ihm ins Gesicht gebrannt. Dennoch konnte sie seine harmonischen Züge erahnen und dachte, dass der Tod und Schönheit doch ein ziemlich ungleiches Paar bildeten. Der Umstand, dass er über eine Stunde lang auf der Bühne gestanden und einen deprimierenden Künstler gespielt hatte, ehe er sich eine Kugel in den Kopf jagte, brachte sie auf zwei Gedanken. Entweder handelte es sich um ein Ritual, und er war ein Märtyrer, nicht viel anders als ein Selbstmordattentäter. Oder es war Mord.“

Die Anzeichen für Mord verdichten sich bald. In Verdacht gerät zunächst die junge und naive Ehefrau, die als Kandidatin einer Reality-Show den Tod ihres Mannes gezielt zu ihrem Vorteil einsetzt.

Wie ist es geschrieben?
„Trügerisches Licht“ erzählt im knappen und schnörkellosen Stil über die Ermittlungen von Azucena, die sich im männerdominierten Kommissariat behaupten muss. Überwiegend aus der Sicht der Kommissarin geschrieben, erleben wir eine selbstbewusste Frau, an der alle Anfeindungen und Belästigungen abzuprallen scheinen, die aber dennoch Fehler zugeben und feinfühlig ermitteln kann.

Wie gefällt es?
Mich hat fasziniert, wie Patrícia Melo parallel zur spannenden Haupthandlung die korrupte und kriminelle Gesellschaft Brasiliens schildert, in der auch die Polizei verwickelt ist. Doch das ist nicht alles: „Trügerisches Licht“ thematisiert auch die oberflächliche Welt des Showbusiness, in der man an einem Tag der Star, am nächsten die größte Niete ist.
Patricia Melo: Trügerisches Licht, Tropen Verlag bei Klett-Cotta, Stuttgart, Euro 14,95,
ISBN 9783608502152

Zum hr-iNFO Büchercheck

Jetzt bestellen

EM-Gewinnspiel Wer errät das Ergebnis Frankreich-Deutschland?

Wer wird gewinnen und wie hoch? Wir verlosen diesen tollen Adidas-FIFA-Fußball. Wer dem Ergebnis am nächsten kommt, ist in der Lostrommel mit dabei :-).

Einsendeschluss ist Donnerstag, 07.07.2016, 21:00 Uhr!

[contact-form][contact-field label=”Name” type=”name” required=”1″ /][contact-field label=”Email” type=”email” required=”1″ /][contact-field label=”Frankreich : Deutschland – ich tippe folgendes Ergebnis:” type=”textarea” required=”1″ /][/contact-form]

Sonntags-Gewinnspiel

Hier findet Ihr jeden Sonntag ein Gewinnspiel. Einsendeschluss ist jeweils der Tag, an dem das Gewinnspiel stattfindet, um 24 Uhr. Bitte den Namen, die Mailadresse (diese wird ausschließlich für eine Gewinnbenachrichtigung genutzt, weder gespeichert noch weitergegeben) und das Lösungswort, das über den Link zu erfahren ist, einfach unten eintragen und abschicken. Viel Erfolg!

Heute gibt es dieses spannende und witzige Buch zu gewinnen:

daz4ed

Zum Buch

Das Lösungswort hier Lösungswort abholen, unten alles ausfüllen und mitmachen 🙂

[contact-form][contact-field label=”Name” type=”name” required=”1″ /][contact-field label=”Email” type=”email” required=”1″ /][contact-field label=”Lösungswort” type=”textarea” required=”1″ /][/contact-form]

ASTROLIBRIUM: Oliver Hilmes “Berlin 1936”

Oliver Hilmes rekonstruiert in „Berlin 1936 – Sechzehn Tage im August“ nicht nur die Olympischen Spiele selbst. Er stellt Sichtweisen gegeneinander, die konträrer nicht sein könnten. Er begleitet uns auf dem Weg des Erkennens der Diktatur durch den US- Schriftsteller Thomas Wolfe, führt uns mit Helene Mayer zur Silbermedaille im Fechten und öffnet uns dann die Augen, dass die deutsche Halbjüdin erst auf starken Druck der Organisatoren der Spiele als einzige und damit als Alibi-Jüdin den Kader des Dritten Reichs vervollständigte. Die Machthaber spielten grandios auf ihrer Klaviatur der Lügen.

Man muss Hilmes lesen, wenn man verstehen will, welchen Stellenwert die Spiele in Berlin für die Etablierung des Deutschen Reiches hatten. Sie verschafften Adolf Hitler die Anerkennung in der Welt, die er sich erhoffte. Und sie verschafften ihm die Zeit, den zweiten Weltenbrand in aller Ruhe vorzubereiten. Die Weltgemeinschaft ließ sich an der Nase herumführen und spätestens der Blick nach Dresden zeigt, wie leicht doch alles zu durchschauen gewesen wäre. Hier schrieb der verfolgte Professor Victor Klemperer in sein Tagebuch:

Die Olympiade geht nächsten Sonntag zu Ende, der Parteitag der NSDAP kündigt sich an, eine Explosion steht vor der Tür, und es ist natürlich, dass man sich zuerst gegen die Juden abreagieren wird.

Zur kompletten Besprechung bei ASTROLIBRIUM

Zur Hauptseite von ASTROLIBRIUM

BESTELLEN

 

Fricka Langhammer “Familie als Beginn”

Wichtig ist der Autorin, in ihrer knappen und anschaulichen Gegenüberstellung zu zeigen, wie sich unterschiedliche Familienformen für die in ihnen lebenden Menschen auswirken. Dabei verdeutlicht sie, was die untersuchten Modelle an Belastungen oder Chancen besonders für Frauen, das Wohlergehen von Kindern sowie für das Verhältnis der Geschlechter und Generationen bedeuten.
Im Fokus stehen die für unsere Breiten typische Kleinfamilie, in der die Mehrheit der Menschen lebt, und die traditionelle matriarchale Mosuo-Großfamilie unter der Führung einer Matriarchin. Die Autorin stellt die verschiedenen ökonomischen Systeme vor und fragt nach den gesellschaftlichen und spirituellen Wertevorstellungen, die die Grundlage der beleuchteten Strukturen darstellen.
Mit der Matriarchats-Filmerin Uschi Madeisky und ihrer Mutter, der Labyrinth-Künstlerin Li Shalima, diskutiert sie die Frage, ob alternative Lebensformen mit positiven matriarchalen Werten heute in unseren westlichen Rahmenbedingungen lebbar sind – vor allem für junge Frauen, wie sie selbst.

Zur Verlagsseite

BESTELLEN

 

“Die Ungehörigkeit des Glücks”

In “Die Ungehörigkeit des Glücks” von Jenny Downham erzählt die 17-jährige Katie von ihrer Familie. Sie hat eine Großmutter, die sie nicht kennt und über die sie bisher nichts wusste. Das ändert sich nun völlig unerwartet. Weil Marys Partner im Krankenhaus unerwartet verstorben ist und Marys Tochter Caroline als Notfallkontakt angegen war, muss Caroline die verwirrte alte Dame, die viele Aussetzer hat, mit nach Hause nehmen. Dabei ist es schon schwierig mit Christopher, Katies Bruder, der eine Behinderung hat und durch die Trennung seiner Eltern sowieso im Moment durch den Wind ist. Katie steckt mitten in wichtigen Schulprüfungen und hat ihre Freundinnen verloren, weil sie ihre beste Freundin geküsst hat und diese nun behauptet, Katie hätte sich ihr aufgedrängt. Weil Caroline berufstätig ist und sich um eine andere Unterbringung für ihre Mutter kümmern muss, bleibt vieles an Katie hängen. Nach und nach findet Katie einen Zugang zu ihrer Großmutter und schreibt ihre Erinnerungen auf, wenn sie aus der Vergangenheit erzählt. Sie will gern wissen, warum ihre Mutter mit ihrer eigenen Mutter keinen Kontakt will und die meiste Zeit bei ihrer Tante aufwuchs. Marys Sicht der Dinge wird von Mary geschildert – teilweise ihre Verwirrung in der Gegenwart, aber auch ganz klar ihre Erinnerungen an früher. So wie ihre Großmutter damals muss Katie heute ihren Weg finden. Auf jeden Fall will sie ihre Großmutter nicht wieder verlieren. Und sie lernt ein Mädchen kennen, in das sie sich verliebt.

Das ist ganz schön viel, was alles auf Katie lastet, und was ihre Mutter auf ihr ablädt. Die Autorin schildert die Beziehungen in dieser Familie und die Gedanken und Gefühle von Mary und Katie sehr realistisch. Dabei schafft sie es, ihren Lesern nahe zu bringen, dass nicht jeder Mensch ist wie alle anderen, sondern besonders. Jeder auf seine Art. Es ist nur wichtig, sich darauf einzulassen. Nicht jeder kann und muss so sein wie alle anderen. Dieses Buch ist mutig und erfrischend, und hat mir sehr gut gefallen.
Wir danken Sonja Hennig für diese Rezension!

BESTELLEN