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LeseEule: John Boyne “Der Junge auf dem Berg”

Pierrot ist grade mal sieben Jahre alt, als seine Mutter stirbt und er zu seiner Tante zieht. Diese arbeitet als Hauswirtschafterin auf dem Berghof- dem Domizil des Führers.  Schnell nimmt sich Hitler seiner an und aus Pierrot, dem kleinen französischen Waisenjungen wird Peter, ein stolzer Unterstützer des deutschen Führers. Die Geschichte von John Boyne erzählt von Pierrots Leben auf dem Obersalzberg und der Veränderung seiner Persönlichkeit durch den Einfluss Adolf Hitlers’.

 Der Roman hat mich sehr beeindruckt. John Boyne beschreibt sehr detailliert das Leben zur Zeit des Nationalsozialismus aus der Sicht eines zunächst unschuldigen Jungen, der durch den Kontakt zur Macht auf den falschen Weg gerät. 

Das Buch ist für jeden geeignet, der sich für Geschichten über die Zeit des zweiten Weltkriegs interessiert und keine Scheu davor hat, auch mal die Sicht der ,,anderen Seite” kennen zu lernen. Nach ,,Der Junge im gestreiften Pyjama” ist ,,Der Junge auf dem Berg” ein berührender Roman, der den Leser bis zur letzten Seite fesselt.

Wir danken LeseEule für diese Rezension!

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Besprechung: Jen White “Als wir fast mutig waren”

Das Buch wird aus der Sicht von einer der Schwestern geschrieben und ist somit sehr subjektiv gegenüber allem, was passiert. Trotzdem kann man sich relativ gut in die Situation rein versetzen, vom eigenen Vater irgendwo im nirgendwo ausgesetzt zu werden. Die Erzählerin ist zudem zwar erst 12 Jahre alt, weiß aber schon sehr viel, verhält sich erwachsen und offenbart sehr tiefgründige Gedanken. Die Vergleiche mit den Tieren, die sie vor jeder neuen Entscheidung auf dem Weg nach Hause macht, bringen sie in gewisser Weise wieder in ihr Alter zurück. Außerdem wird erst im Laufe des Buches klar, wie die beiden Schwestern überhaupt in diese Situation gekommen sind. Trotzdem hat mich das Buch nie richtig gefesselt. Vielleicht lag es an dem Schreibstil der Übersetzung oder an den oftmals sehr kurzen Kapiteln.

Zusammenfassend kann man sagen, dass es ein tiefgründiges Buch ist, aber die wirklichen Emotionen beim Leser nicht richtig ankommen.
Ich würde es eher Jugendlichen ab ca. 12 Jahren empfehlen, da diese an solch einer Geschichte wahrscheinlich mehr Spaß hätten und sich besser in die Erzählerin hineinversetzen können.

 

Wir danken LiV für diese Besprechung!

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Besprechung: Victoria Aveyard “Goldener Käfig” (Die Farben des Blutes 3)

Als großer Fan der Buchreihe „Die Farben des Blutes“ hatte ich schon sehnsüchtig auf den dritten Band gewartet. Als Leser bekommt man einen guten Überblick über die verschiedenen politischen Gruppierungen und ihre Ziele. Der Einstieg in das Buch ist mir, dank des flüssigen Schreibstils, sehr leicht gefallen. Außerdem erhält der Leser unglaublich viele Informationen über die Ziele der Garde, des Königs und der mächtigen Häuser. Die Geschichte wird aus Sicht von Mare, Cameron und Evangelina erzählt, wodurch man einen guten Rundumblick erhält. Viele lose Enden laufen in diesem Band zusammen und es wird ein tiefer Einblick in die Intrigen und Machtkämpfe der verschiedenen Parteien vermittelt. Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt über den vierten Band, und hoffe, dass Victoria Aveyard mich genauso vom vierten Band überzeugen wie mit diesem dritten!

Wir danken HelinaD für diese Besprechung!

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LeseEule: J.R.R. Tolkien “Der kleine Hobbit”

Der gemütliche Bilbo Beutlin hätte eigentlich niemals auch nur im Traum daran gedacht, sich auf ein spannendes Abenteuer einzulassen. Viel lieber verbringt er die Zeit in seiner kleinen Hobbit-Höhle mit ausgedehnten Mahlzeiten oder anderen, gemütlichen Dingen. Bis eines Tages 13 Zwerge und ein Zauberer vor seiner Haustür stehen und ihn bitten, sie auf ihrem Abenteuer zu begleiten. Sie wollen den bösen Drachen Smaug besiegen und dessen gestohlenen Schatz, zurückerobern. Dazu müssen sie aber einen weiten und gefährlichen Weg zurücklegen und das ein oder anderen unvorhergesehene Hindernis überwinden.

Der Roman von J. R. R. Tolkien hat mir sehr viel Spaß gemacht. Wer gerne Fantasy-Geschichten liest, ist hier genau richtig. Die Geschichte bietet alles, was meiner Meinung nach zu einem Klassiker dazugehört: eine eingängige Handlung und tolle Hauptfiguren, die der Geschichte Leben einhauchen.

Wir danken LeseEule für diese Rezension!

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hr-iNFO Büchercheck: Monika Held „Sommerkind“

Monika Held war jahrelang Reporterin bei der „Brigitte“ und hat die ganze Welt bereist. In ihren Romanen geht sie eigenwilligen Menschen und schwierigen Schicksalen nach. Ihre Fähigkeit, sich in komplizierte Charaktere einzufühlen und diese sensibel zu beschreiben, ist beeindruckend. Auch in „Sommerkind“ beweist sie das.
hr-iNFO Büchercheckerin Sylvia Schwab hat den Roman gelesen.

Worum geht es?
Im Mittelpunkt steht Malu, ein Sommerkind. So werden Kinder genannt, die im Sommer fast ertrinken und durch den erlittenen Sauerstoffmangel im Koma liegen. Malu ist neun Jahre alt, als sie im Schwimmbad fast ertrinkt, während ihr 16-jähriger Bruder Kolja mit einem Mädchen, das er sehr mag, auf einer Bank sitzt. Malu kommt in eine Spezialklinik, überlebt, und wird ihr ganzes Leben im Koma verbringen. Die Ehe der Eltern zerbricht an dem schrecklichen Ereignis, die Mutter wird depressiv. Und Kolja wird sich sein Leben lang verantwortlich fühlen für den Unfall. Hier gibt es neben Kolja noch eine zweite Protagonistin, Ragna nämlich, die Ich-Erzählerin, die damals neben dem Jungen auf der Bank saß und Malu im letzten Augenblick das Leben gerettet hat. Ragna kann sich nicht mehr an den Unfall erinnern. Kolja soll ihr helfen, das Vergessene wieder zu finden.

Wie ist es geschrieben?
Monika Held verbindet sehr unterschiedliche Themen miteinander: Eine Frau, die auf der Suche ist nach ihrer Erinnerung. Dazu kommt Koljas Lebensgeschichte und sein Trauma, schuldig zu sein am Unfall seiner Schwester. Und schließlich Koljas Erlebnisse in einer Klinik für Komakinder. Überall spielt auch die Erinnerung eine Rolle. Zusammengebunden werden diese Motive durch eine ruhige, melodische Sprache. Monika Held findet immer wieder einen leisen, eindringlichen Ton. Für die dramatischen Ereignissen und heftigen Emotionen, aber auch für die eher abstrakten Beschreibungen von Gedächtnis und Erinnerung. Sie verwandelt das Leben ihrer Protagonisten in erzählte Bilder, die sich in der Phantasie des Lesers zurückverwandeln in Leben.

„Ich habe mit zehn Jahren einen Fotoapparat bekommen. Nach den ersten Bildern war ich süchtig nach Motiven. Bei allem, was mir vor die Linse kam, dachte ich: meins. Der Baum: gehört mir. Die Taube: gehört mir. Die Hunde, Katzen, alle Menschen, die ich mit meiner ersten Kamera festhielt, jeder Fisch an der Angel wurde mein Eigentum. Ich war ein Dieb, ich stahl mit den Augen.”

Wie gefällt es?
„Sommerkind“ es ist trotz seiner schwierigen Themen ein wohltuendes Buch. Ein Roman, der feinsinnig und klug von schweren Schicksalen erzählt, das aber auf eine so sensible Weise, das wir sozusagen getröstet werden. Abgesehen davon, dass er sehr viele schöne Szenen enthält, sinnliche Schilderungen von Natur, Meer und Landschaft oder sehr innige Szenen aus der Kinderklinik. Man spürt, wie viel Respekt Monika Held vor ihren Figuren hat und wie viel Zuneigung für sie. Ein Roman, der Mut macht und Hoffnung, und der uns staunen lässt über die Leistungen unseres Gehirns und unseres Gedächtnisses. Denn nur die Erinnerung macht es uns möglich, wir selbst zu sein.
Monika Held: „Sommerkind“, Eichborn Verlag, 20 EUR, ISBN: 9783847906261

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hr-iNFO Büchercheck: Adrian McKinty „Rain Dogs“

„Rain Dogs“ von Adrian McKinty führt uns ins Nordirland Ende der 80er Jahre: im Innenhof einer alten Burg wird die Leiche einer jungen Journalistin der Financial Times gefunden, alles deutet auf Selbstmord hin. Doch Inspector Sean Duffy hat da so seine Zweifel…
hr-iNFO Büchercheckerin Karin Trappe hat den Krimi gelesen.

Worum geht es?
Nordirland 1987: der katholische Inspector Sean Duffy schaut jedes Mal unter sein Auto, bevor er losfährt, schließlich könnte eine Bombe darunterliegen. Es ist die Zeit der Unruhen, der Troubles, wie er es nennt. Eines Morgens wird er zu einem neuen Fall gerufen:einem Mitglied einer finnischen Delegation, deren Firma in der Nähe möglicherweise eine Mobilfunk-Fabrik errichten möchte, ist die Brieftasche gestohlen worden. Ein lächerlicher Fall, der schnell geklärt wird. Doch am nächsten Morgen ist die Journalistin Lily tot – sie hatte die Delegation begleitet. Sie liegt im Innenhof einer Burg, die über Nacht hermetisch abgeriegelt ist. Auf den Bändern der Überwachungskameras ist nichts zu sehen, also hat sie sich möglicherweise am Abend einschließen lassen und dann Selbstmord begangen? Ein Fall einer locked room mystery, also einem verschlossenen Ort, niemand darin außer dem Opfer, niemand konnte rein oder raus? Inspector Duffy glaubt nicht an die Selbstmord-Theorie, allerdings scheint alles andere auch unmöglich…
„Wir brauchen ein Motiv. Warum wollte sie jemand umbringen? Ärger mit einem Freund, Probleme bei der Arbeit. Crabbie, ich möchte, dass du die Financial Times anrufst und mit Lilys Chef sprichst, versuch auch, irgendwelche von ihren Freunden an die Strippe zu kriegen.“ „Kein Problem.“ „Lawson, Sie und ich versuchen uns mal daran, Lilys Tod zu rekonstruieren. Wenn wir sie unter den gegebenen Umständen umbringen wollten, wie würden wir das anstellen? Als Allererstes wollen wir mit hundertprozentiger Sicherheit feststellen, ob das Rätsel der verschlossen Burg tatsächlich eines ist.“

Wie ist es geschrieben?
Adrian McKinty entwickelt die Geschichte behutsam: viel wird erzählt von den Zuständen in Nordirland, von desillusionierten Polizisten, von Terror und wirtschaftlichem Elend. Und darin Inspector Duffy, intelligent, gebildet, gerade heraus und vor allem hartnäckig. Der jedes Fitzelchen eines Hinweises auf einen Mord aufgreift und eisern verfolgt. Ein wunderbar lakonisch erzählter, klassischer Kriminalroman.

Wie gefällt es?
In der Ruhe liegt die Kraft – könnte man sagen, wenn man „Rain Dogs“ von Adrian McKinty liest: Seite um Seite baut sich die Spannung auf, die Gewissheit, dass es Mord sein muss, aber eigentlich nicht sein kann. Mich hat aber auch die Schilderung des Nordirlands Ende der 80er Jahre fasziniert, das gelingt McKinty meisterlich. Und die Auflösung des Mordes in der abgeriegelten Burg ist grandios, das hat mich schwer beeindruckt.

Adrian McKinty: „Rain Dogs“, Suhrkamp Verlag, 14,95 EUR, ISBN: 978-3518467473

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Leseempfehlung: Omar El Akkad “American War”

An das Leseexemplar dieses Buches bin ich, zugegebenermaßen, mit spitzen Fingern herangegangen. Ein Buch, das die aktuelle Debatte um Donald Trump und seine Politik als Start nimmt – was soll dabei schon herauskommen? Aber weit gefehlt: Das heutige Amerika ist lediglich Ausgangspunkt, vielmehr ist die Geschichte in einem postapokalyptisch zerrütteten nordamerikanischen Kontinent angesiedelt, im Jahre 2075. Die USA der Zukunft sind politisch und aufgrund umwälzender Umweltveränderungen auf Kernlande zusammengeschrumpft und durch einen Bürgerkrieg in Nord und Süd gespalten.

Erzählt wird die Rahmengeschichte von einem Universitätsprofessor, der am Ende seines Lebens auf die Historie blickt und analysiert, wie es soweit kommen konnte. Amerika wird von Umweltkatastrophen heimgesucht, Unwetter toben, der Meeresspiegel steigt unaufhörlich an, Energie wird knapp, schließlich kollabiert das politische System, es kommt zu Bürgerkriegen und zu allem grassiert noch ein mutwillig freigelassenes Virus.

Wir erleben die Geschichte auch an der Seite von der jungen Sarat (mit „t“, weil ihr das besser gefällt), die im armen Süden aufwächst und deren Eltern sich in den reichen Norden aufmachen, um für sich und die Kinder bessere Lebensverhältnisse zu finden. Und dieser erzählerische Kniff, das ganz große Geschehen an der Familie Chestnut festzumachen und Sarat zu begleiten, macht all die Verwerfungen direkt erfahrbar. Dem Autor, Omar El Akkad, und den hervorragenden Übersetzern, Gabriele Kempf-Allié und Manfred Aillé, verdanken wir über die stimmig erzählte Geschichte hinaus wunderschöne Wendungen, wie z.B.: „Als sie die Luft in sich einsog, sah ich auf ihrem Gesicht etwas, das ich nie zuvor gesehen hatte: einen Ausdruck der Erleichterung, als hätte sie nicht Sekunden ohne Luft zugebracht, sondern ein ganzes Leben, und als sei sie jetzt endlich frei.“.

Klare Leseempfehlung!

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hr-iNFO Büchercheck: Bodo Kirchhoff „Betreff: Einladung zu einer Kreuzfahrt“

Bodo Kirchhoff, der Frankfurter Schriftsteller, der im vergangenen Jahr den Deutschen Buchpreis bekam, hat sich nach diesem Erfolg nicht etwa auf eine Kreuzfahrt begeben, sondern ein Buch über das Thema geschrieben. Es heißt: „Betreff: Einladung zu einer Kreuzfahrt.“ Und tatsächlich besteht das Buch aus der E-Mail eines Schriftstellers an eine Reederei, die ihn für eine Kreuzfahrt durch die Karibik unter Vertrag nehmen will. Mehr darüber von hr-iNFO-Bücherchecker Frank Statzner.

Das Angebot klingt verlockend. Rundfahrt durch die Karibik mit Start und Ziel in Havanna. Freie Kost und Logis, Außenkabine mit Balkon. Mit Begleitung. Aber die Reederei stellt Bedingungen. Natürlich soll der Schriftsteller abends aus seinem Werk vorlesen. Eine Zusammenfassung der betreffenden Inhalte möchte der Veranstalter vorher sehen und prüfen können. Denn: die Gäste sollen sich ja wohl fühlen können. Der Autor soll ihnen freundlich zugeneigt sein. Liebschaften mit den Passagieren sind allerdings untersagt. Der Autor setzt sich an den PC und schreibt eine 120 Seiten lange E-Mail. Er wägt ab, formuliert seine Bedenken, die Reize des Angebots kommen aber auch immer wieder hervor. Nicht zuletzt sein Interesse an seiner Ansprechpartnerin beim Veranstalter. Kirchhoff lässt Kulturen aufeinander klatschen. Vom Kreuzfahrtpublikum hält sein Protagonist nichts. “Nehmen wir an, vier bis fünf von einem langen Tag auf dem Sonnendreck frisch Gebräunte säßen in leichter Bekleidung, um möglichst viel von ihrer Tagesleistung zu zeigen, in der ersten Reihe und müssten sich anhören, wie mein Romanheld zu der am Flughafen aufgegabelten Frau, als sie sich später in einem Hotelzimmer auszieht, sagt, dass mit jeder Hülle auch ein Stück Schönheit fällt, alles Schöne still zu Bruch geht. Müsste dann das weibliche Publikum – Männer besuchen nur unter dem Druck ihrer Frauen eine Lesung – nicht denken, dass ihr ganzer Karibiktag vergebens war und das Sonnendeck als einen Ort der Zerstörung sehen?

Und wie muss es erst sein, wenn Tätowierte ihn in den Whirl-Pool einladen? Er soll ja freundlich und zugewandt sein? Er, der doch eher der Freund eines gepflegten Whiskys am Kaminfeuer ist und die Kreuzfahrtschiffe am liebsten zur Sammelstation und Unterkunft von Flüchtlingen umfunktionieren würde. Das wirkt ein wenig klischeehaft, aber indem er sich an seinem Bild der Gäste und an den Auflagen der Reederei abarbeitet, hält er sich selbst einen Spiegel vor. Elitär bis überheblich, süffisant, boshaft, aber auch narzistisch und larmoyant. Dadurch entsteht Spannung, auch für die Story. Wie wird er sich am Ende entscheiden?

Die Form der E-Mail erfordert einen Monolog. Da der Protagonist ein Schreiber alter Schule ist, monologisiert er in teils gedrechselten Sätzen und in ausgefeilter Sprache. Das steht in einem reizvollen Spannungsverhältnis zum boshaften Spott über die Kreuzfahrt-Kultur oder auch zur manchmal durchscheinenden Ironie, mit der sich dieser Schriftsteller selbst inszeniert. Kirchhoff präsentiert sich hier von einer anderen Seite als in den letzten drei Büchern. Hier zieht er vom Leder, mit allem, was ihm sein Humorarsenal zur Verfügung stellt: Ironie, Satire, Sarkasmus, Spott. Sehr unterhaltsam, wenn man nicht gerade Kreuzfahrt-Fan ist.

Bodo Kirchhoff: „Betreff: Einladung zu einer Kreuzfahrt“, Frankfurter Verlagsanstalt, 18 EUR, ISBN: 9783627002411

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hr-iNFO Büchercheck: Monika Geier „Alles so hell da vorn“

Diesmal führt uns die Kriminalhandlung in die Pfalz, nach Ludwigshafen. Hier arbeitet Kriminalkommissarin Bettina Boll, immer in Hektik, immer im Stress, denn neben der Arbeit erzieht sie noch die zwei Kinder ihrer verstorbenen Schwester. Doch, der Reihe nach: die Geschichte beginnt in Frankfurt am Main.
hr-iNFO Büchercheckerin Karin Trappe hat den Krimi gelesen.

Worum geht es?
Die sehr junge Prostituierte Manga empfängt in einem Frankfurter Vorort-Bordell einen Polizisten als Kunden, so weit nicht ungewöhnlich, ist er doch Stammgast und erscheint immer in voller Uniform. Doch der Besuch endet anders als sonst: Manga schnappt sich die Waffe des Polizisten, erschießt ihn, tötet auch noch einen Zuhälter und verschwindet mit dessen Auto Richtung Pfalz. Zielstrebig sucht sie im dem Dorf Höhbrücken den Schuldirektor auf und erschießt auch diesen. Dann lässt sie sich festnehmen. Und in dem Dorf fragen sich alle: handelt es sich bei der Schützin um Meggie, das Mädchen, das vor zehn Jahren spurlos aus dem Ort verschwand und jetzt Rache nimmt? Kriminalkommissarin Bettina Boll wird in die Soko berufen. Erschüttert von der Verstrickung ihres Kollegen in einen möglichen Kinderhandel-Fall, hin- und hergerissen zwischen der Arbeit und den Kindern, die sie erzieht, und abgelenkt von einem Hausverkauf, schafft sie es, die richtigen Zeugen zu befragen, die richtigen Fragen zu stellen, sich loyale Kollegen zu Hilfe zu rufen. Und am Ende den Fall aufzuklären, auch wenn nicht alle Schuldigen gefasst werden.

Wie ist es geschrieben?
Monika Geier hat einen besonderen Ton, einen eigenen Sound, böse, lakonisch, voll von schwarzem Humor, manchmal ausschweifend, an den richtigen Stellen verknappend – „Alles so hell da vorn“ ist ein Krimi auf höchstem Niveau. Er spielt in der Provinz, ist aber das Gegenteil von provinziell. Monika Geier beherrscht die Zeichnung von zum Teil skurrilen Personen, von Atmosphäre, von Gefühl und Aktion aufs allerbeste.
“Freunscht sah sie an und sagte: „Frau Boll, ich glaube, Sie haben da tatsächlich ein Detail ermittelt, das der Soko Meggie damals entgangen ist.“ Jetzt erst registrierte Lingen Bettinas Anwesenheit wirklich. Sein Blick fuhr einmal an ihr hinunter und dann voll triefender Verachtung wieder hoch. Schlampe, sagte dieser Blick. Analphabetin. Frau. „Spezialausbildung“, antwortete Bettina hochnäsig. „Glück“, fuhr Freunscht ihr von der Seite über den Mund.“

Wie gefällt es?
Für mich ist Monika Geier eine Entdeckung, eine späte, denn „Alles so hell da vorn“ ist bereits ihr siebter Fall mit Kriminalkommissarin Bettina Boll. Ich bin komplett begeistert von diesem Krimi, von der Sprache, dem subtilen Witz und der lässigen Darstellung einer chaotischen, aber äußerst klugen Kommissarin im Gestrüpp der Pfälzer Bürokratie. Unbedingt lesen!

Monika Geier: „Alles so hell da vorn“, Ariadne im Argumentverlag, 13 EUR, ISBN: 9783867542234

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LeseEule: Nicola Yoon “Du neben mir und zwischen uns die ganze Welt”

Madeline ist 18 Jahre alt und hat noch nie das Haus verlassen. Ihr Leben wird seit ihrer Geburt durch einen Imundefekt bestimmt, durch den sie außerhalb des mit Luftfiltern und UV-Schutz ausgestatteten Hauses nicht überleben würde. Eigentlich kommt Madeline mit diesem Leben auch gut klar, sie hat ihre Mutter und ihre Krankenschwester und verbringt den ganzen Tag mit lesen oder lernen. 

Doch eines Tages begegnet sie Olly, der sie neugierig auf die richtige Welt macht und ihr zeigt, dass es im Leben nicht nur um Bücher geht und es sich lohnt, ab und zu mal ein Risiko einzugehen.

Mich hat das Buch sehr berührt. Die Geschichte und die Gefühle der Protagonistin wurden meiner Meinung nach sehr gut dargestellt, wodurch ich vom Buch gefesselt war und es erst wieder weglegen konnte, als ich es fertig gelesen hatte.

Das Buch von Nicola Yoon eignet sich für jeden, der gerne Liebesgeschichten liest und mal Lust auf etwas Neues, nicht so ganz klischeehaftes hat.

Wir danken LeseEule für diese Rezension!

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