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Rezension: Melissa Forti “Dolci, Tartes und zauberhafte Kuchen backen”

Ich muss zugeben, ich habe ein Faible für Koch- und Backbücher und Italien … und für schöne Gestaltung sowieso, deshalb war es quasi ein „Muss” dieses Buch in den Händen zu halten.

Ich hatte Melissa Forti nicht wie viele andere bei Kitchen Impossible mit Tim Mälzer gesehen und war deshalb ganz unvoreingenommen.

Die Rezepte und Zutaten sind leicht verständlich in Gramm und alternativ in Tassen angegeben, die Bandbreite der Rezepte geht von Italienisch über International und Melissas Privatsammlung.

Es sind wunderbare Rezepte dabei und es sind nicht nur ein, zwei, die man Nachbacken möchte, sondern viele Kuchen, die es auf den heimischen Tisch schaffen werden.

Zugegeben, mit 32 Euro nicht ganz günstig, aber die Verarbeitung und die wunderbaren Fotos machen es zu einem wahren Schätzchen und es ist ja bald Weihnachten …

 

Wir danken Kerstin Weber für diese Besprechung!

 

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hr-iNFO Büchercheck: Christian von Ditfurth „Giftflut“

Christian von Ditfurth schildert in „Giftflut“ einen Terroranschlag unbeschreiblichen Ausmaßes: innerhalb weniger Tage werden große Brücken in Berlin, Paris und London in die Luft gesprengt. Hunderte von Toten. Und es hört nicht auf: Anschlag folgt auf Anschlag. Es gibt keinerlei Hinweise auf die Täter.
hr-iNFO Büchercheckerin Karin Trappe hat den Krimi gelesen.

Worum geht es?
In Berlin ist Hauptkommissar Eugen de Bodt für die Ermittlungen zuständig – eigensinnig und vor allem nicht bereit, sich in die bürokratischen Hierarchien einzufügen. Und damit immer kurz vor dem Rausschmiss, hätte er in der Vergangenheit nicht spektakuläre Erfolge gefeiert. Doch mit diesen Terroranschlägen wirkt auch de Bodt überfordert: keine Spuren, keine Indizien, keine Hinweise. Ausschließlich das Thema Wasser verbindet alle Verbrechen, wurden in den drei europäischen Hauptstädten doch auch die Chefs der Wasserwerke in ihren Badewannen ertränkt. Was ist das Ziel dieser Attentäter? Werden die Regierungen erpresst? Wollen Staaten, die durch den Klimawandel von Überschwemmung bedroht sind, den westlichen Staaten den Krieg erklären? Derweil geraten die Regierungen in Europa in die Krise, die Börsen stürzen ab, die Rechtsradikalen gewinnen an Zustimmung…
„„Wasser“, sagte de Bodt. „Irgendwas mit Wasser. Sie haben ja auch das Wasser abgestellt. Kurz nur. Wie gesagt, die übliche Kundschaft hätte gleich das Wasserwerk in die Luft gejagt. Oder Plutonium ins Trinkwasser gekippt.“ „Ganz Europa hat Terroristendaueralarm. Und doch sprengt da irgendwer einfach die Brücken weg“, sagte Salinger. „Wir kommen so nicht weiter“, sagte de Bodt leise.“

Wie ist es geschrieben?
263 Kapitel plus Epilog plus Prolog – „Giftflut“ von Christian von Ditfurth ist ein atemloser Krimi, kurz und prägnant, geschrieben aus verschiedenen Perspektiven: neben dem Berliner Team um Kommissar de Bodt sind da noch die Killer, die die Verbrechen ausführen, aber ihre Auftraggeber nicht kennen und auch nicht wissen, was hinter dem Ganzen steckt. Und ein Hamburger Tourist fern der Heimat, der eigentlich nur ins Internet will und sich zufällig in das Netzwerk der Killer hackt. Er wird entdeckt, soll getötet werden, aber erwischt wird dessen Freundin. Ab dann sinnt er nur noch auf Rache und mischt mit in dieser ganz großen Verschwörung, naiv, aber skrupellos.

Wie gefällt es?
Hunderte Tote, Terror in Europa, ein Kontinent im Ausnahmezustand – Christian von Ditfurth hat mit „Giftflut“ einen klug konstruierten Thriller geschrieben. Die realistische Perspektive hat mir besonders gefallen, die Kanzlerin mit dem direkten Draht zu Kommissar de Bodt, die Engländer, die sich wegen des Brexits aus einer gemeinsamen Ermittlung heraushalten. BKA und Verfassungsschutz, die nur darauf bedacht sind, ja keinen Fehler zu begehen. Nachzufühlen ist die Verzweiflung des Berliner Kripo-Teams, mit jedem Ermittlungserfolg vor einer neuen großen Frage zu stehen. Und für alle Hessen unter uns: in Frankfurt wird der Fall geklärt.

Christian von Ditfurth: „Giftflut“, Verlag carl’s books, 15 EUR, ISBN: 978-3570585658

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hr-iNFO Büchercheck: Arundhati Roy „Das Ministerium des äußersten Glücks“

Mit Ihrem Debüt-Roman „Der Gott der kleinen Dinge“ landete Arundhati Roy 1997 einen weltweiten Bestseller. Danach engagierte sich die Schriftstellerin vor allem politisch und ökologisch. Jetzt, 20 Jahre später ist, lang erwartet, ihr zweiter Roman erschienen. „Das Ministerium des äußerten Glücks“ heißt er.
hr-iNFO Bücherchecker Alf Mentzer hat den Roman gelesen.

Worum geht es?
Arundhati Roy erzählt die Geschichte des modernen Indiens als Geschichte einer vollkommen zerrissenen Gesellschaft, und er erzählt diese Geschichte von den Rändern dieser Gesellschaft her. Da ist einmal die transsexuelle Anjum, die als Junge geboren, sich mit 16 geschlechtsumwandeln lässt , zu Dehlis berühmtester Hijra wird, bevor sie mit 46 auf einen Friedhof zieht und dort eine immer größere und immer lebendigere Kommune um sich versammelt. Und dann ist da Tilo, eine Architektin, die durch die Liebe zu einem muslimischen Widerstandskämpfer in den immer wieder aufbrechenden Kaschmirkonflikt hineingezogen wird. Beide Frauen sind Grenzgängerinnen, die sich schmerzensreich, aber letztendlich doch souverän über all das hinwegsetzen, was Indien heute entzweit.

Wie ist es geschrieben?
Arundhati Roy erzählt von grauenvollen Ereignissen, von Folter, von Pogromen, von Umweltkatastrophen, aber sie erzählt das in einem merkwürdig abgeklärten, teilweise sarkastischen Stil: „Der Tod war überall, der Tod war alles. Karriere. Begehren. Traum. Poesie. Liebe. Jugend. Sterben wurde zu einer neuen Lebensweise. Friedhöfe wurden in Parks und auf Wiesen angelegt, neben Flüssen und Bächen, auf Feldern und in bewaldeten Tälern. Grabsteine wuchsen aus der Erde, wie kleinen Kindern Zähne wachsen.“
Hier spricht die politische Aktivistin, hier spricht aber auch die Beobachterin der indischen Geschichte, die ein Stück weit resigniert hat, angesichts der endlosen Konflikte und der absurden Unfähigkeit einer korrupten politischen Klasse. Der Politik traut Arundhati Roy offenbar nichts zu; auf große Lösungen hofft sie nicht; Hoffnung gibt es nur auf der Ebene der einzelnen Menschen, die sich irgendwie durchschlagen müssen und von deren verzweifeltem Mut und bitterem Humor sie erzählt. Mitunter zerfasert dabei die Handlung, zersplittert das Geschehen, wird redundant, aber das ist offenbar auch ein bewusst gewähltes Prinzip dieses Romans.

Wie gefällt es?
Es ist nicht alles gelungen in diesem mehr als 500-seitigen Roman. Der Handlungsverlauf ist nicht immer zwingend; mitunter bewegt er sich fast gar nicht von der Stelle. Figuren, die man liebgewonnen hat, verschwinden und tauchen erst hunderte Seiten später wieder auf, ohne dass wirklich klar ist, warum. Dieser Roman ist teilweise genauso zerrrissen, wie die Gesellschaft, die er beschreibt – und trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen hat er mich gepackt. Arundhati Roy macht sich, und macht uns keine Illusionen. Sie erzählt die Geschichte Indiens mit all den Grausamkeiten und Absurditäten, die dazu gehören, aber auch mit einer gehörigen Portion Sympathie für die Menschen, die darunter zu leiden haben. Es ist diese Spannung, die den Roman äußerst lesenswert macht.

Arundhati Roy: „Das Ministerium des äußersten Glücks“, S. Fischer, 24 EUR, ISBN: ISBN: 978-3-10-002534-0

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LeseEule: John Boyne “Der Junge auf dem Berg”

Pierrot ist grade mal sieben Jahre alt, als seine Mutter stirbt und er zu seiner Tante zieht. Diese arbeitet als Hauswirtschafterin auf dem Berghof- dem Domizil des Führers.  Schnell nimmt sich Hitler seiner an und aus Pierrot, dem kleinen französischen Waisenjungen wird Peter, ein stolzer Unterstützer des deutschen Führers. Die Geschichte von John Boyne erzählt von Pierrots Leben auf dem Obersalzberg und der Veränderung seiner Persönlichkeit durch den Einfluss Adolf Hitlers’.

 Der Roman hat mich sehr beeindruckt. John Boyne beschreibt sehr detailliert das Leben zur Zeit des Nationalsozialismus aus der Sicht eines zunächst unschuldigen Jungen, der durch den Kontakt zur Macht auf den falschen Weg gerät. 

Das Buch ist für jeden geeignet, der sich für Geschichten über die Zeit des zweiten Weltkriegs interessiert und keine Scheu davor hat, auch mal die Sicht der ,,anderen Seite” kennen zu lernen. Nach ,,Der Junge im gestreiften Pyjama” ist ,,Der Junge auf dem Berg” ein berührender Roman, der den Leser bis zur letzten Seite fesselt.

Wir danken LeseEule für diese Rezension!

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Besprechung: Jen White “Als wir fast mutig waren”

Das Buch wird aus der Sicht von einer der Schwestern geschrieben und ist somit sehr subjektiv gegenüber allem, was passiert. Trotzdem kann man sich relativ gut in die Situation rein versetzen, vom eigenen Vater irgendwo im nirgendwo ausgesetzt zu werden. Die Erzählerin ist zudem zwar erst 12 Jahre alt, weiß aber schon sehr viel, verhält sich erwachsen und offenbart sehr tiefgründige Gedanken. Die Vergleiche mit den Tieren, die sie vor jeder neuen Entscheidung auf dem Weg nach Hause macht, bringen sie in gewisser Weise wieder in ihr Alter zurück. Außerdem wird erst im Laufe des Buches klar, wie die beiden Schwestern überhaupt in diese Situation gekommen sind. Trotzdem hat mich das Buch nie richtig gefesselt. Vielleicht lag es an dem Schreibstil der Übersetzung oder an den oftmals sehr kurzen Kapiteln.

Zusammenfassend kann man sagen, dass es ein tiefgründiges Buch ist, aber die wirklichen Emotionen beim Leser nicht richtig ankommen.
Ich würde es eher Jugendlichen ab ca. 12 Jahren empfehlen, da diese an solch einer Geschichte wahrscheinlich mehr Spaß hätten und sich besser in die Erzählerin hineinversetzen können.

 

Wir danken LiV für diese Besprechung!

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Besprechung: Victoria Aveyard “Goldener Käfig” (Die Farben des Blutes 3)

Als großer Fan der Buchreihe „Die Farben des Blutes“ hatte ich schon sehnsüchtig auf den dritten Band gewartet. Als Leser bekommt man einen guten Überblick über die verschiedenen politischen Gruppierungen und ihre Ziele. Der Einstieg in das Buch ist mir, dank des flüssigen Schreibstils, sehr leicht gefallen. Außerdem erhält der Leser unglaublich viele Informationen über die Ziele der Garde, des Königs und der mächtigen Häuser. Die Geschichte wird aus Sicht von Mare, Cameron und Evangelina erzählt, wodurch man einen guten Rundumblick erhält. Viele lose Enden laufen in diesem Band zusammen und es wird ein tiefer Einblick in die Intrigen und Machtkämpfe der verschiedenen Parteien vermittelt. Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt über den vierten Band, und hoffe, dass Victoria Aveyard mich genauso vom vierten Band überzeugen wie mit diesem dritten!

Wir danken HelinaD für diese Besprechung!

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LeseEule: J.R.R. Tolkien “Der kleine Hobbit”

Der gemütliche Bilbo Beutlin hätte eigentlich niemals auch nur im Traum daran gedacht, sich auf ein spannendes Abenteuer einzulassen. Viel lieber verbringt er die Zeit in seiner kleinen Hobbit-Höhle mit ausgedehnten Mahlzeiten oder anderen, gemütlichen Dingen. Bis eines Tages 13 Zwerge und ein Zauberer vor seiner Haustür stehen und ihn bitten, sie auf ihrem Abenteuer zu begleiten. Sie wollen den bösen Drachen Smaug besiegen und dessen gestohlenen Schatz, zurückerobern. Dazu müssen sie aber einen weiten und gefährlichen Weg zurücklegen und das ein oder anderen unvorhergesehene Hindernis überwinden.

Der Roman von J. R. R. Tolkien hat mir sehr viel Spaß gemacht. Wer gerne Fantasy-Geschichten liest, ist hier genau richtig. Die Geschichte bietet alles, was meiner Meinung nach zu einem Klassiker dazugehört: eine eingängige Handlung und tolle Hauptfiguren, die der Geschichte Leben einhauchen.

Wir danken LeseEule für diese Rezension!

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hr-iNFO Büchercheck: Monika Held „Sommerkind“

Monika Held war jahrelang Reporterin bei der „Brigitte“ und hat die ganze Welt bereist. In ihren Romanen geht sie eigenwilligen Menschen und schwierigen Schicksalen nach. Ihre Fähigkeit, sich in komplizierte Charaktere einzufühlen und diese sensibel zu beschreiben, ist beeindruckend. Auch in „Sommerkind“ beweist sie das.
hr-iNFO Büchercheckerin Sylvia Schwab hat den Roman gelesen.

Worum geht es?
Im Mittelpunkt steht Malu, ein Sommerkind. So werden Kinder genannt, die im Sommer fast ertrinken und durch den erlittenen Sauerstoffmangel im Koma liegen. Malu ist neun Jahre alt, als sie im Schwimmbad fast ertrinkt, während ihr 16-jähriger Bruder Kolja mit einem Mädchen, das er sehr mag, auf einer Bank sitzt. Malu kommt in eine Spezialklinik, überlebt, und wird ihr ganzes Leben im Koma verbringen. Die Ehe der Eltern zerbricht an dem schrecklichen Ereignis, die Mutter wird depressiv. Und Kolja wird sich sein Leben lang verantwortlich fühlen für den Unfall. Hier gibt es neben Kolja noch eine zweite Protagonistin, Ragna nämlich, die Ich-Erzählerin, die damals neben dem Jungen auf der Bank saß und Malu im letzten Augenblick das Leben gerettet hat. Ragna kann sich nicht mehr an den Unfall erinnern. Kolja soll ihr helfen, das Vergessene wieder zu finden.

Wie ist es geschrieben?
Monika Held verbindet sehr unterschiedliche Themen miteinander: Eine Frau, die auf der Suche ist nach ihrer Erinnerung. Dazu kommt Koljas Lebensgeschichte und sein Trauma, schuldig zu sein am Unfall seiner Schwester. Und schließlich Koljas Erlebnisse in einer Klinik für Komakinder. Überall spielt auch die Erinnerung eine Rolle. Zusammengebunden werden diese Motive durch eine ruhige, melodische Sprache. Monika Held findet immer wieder einen leisen, eindringlichen Ton. Für die dramatischen Ereignissen und heftigen Emotionen, aber auch für die eher abstrakten Beschreibungen von Gedächtnis und Erinnerung. Sie verwandelt das Leben ihrer Protagonisten in erzählte Bilder, die sich in der Phantasie des Lesers zurückverwandeln in Leben.

„Ich habe mit zehn Jahren einen Fotoapparat bekommen. Nach den ersten Bildern war ich süchtig nach Motiven. Bei allem, was mir vor die Linse kam, dachte ich: meins. Der Baum: gehört mir. Die Taube: gehört mir. Die Hunde, Katzen, alle Menschen, die ich mit meiner ersten Kamera festhielt, jeder Fisch an der Angel wurde mein Eigentum. Ich war ein Dieb, ich stahl mit den Augen.”

Wie gefällt es?
„Sommerkind“ es ist trotz seiner schwierigen Themen ein wohltuendes Buch. Ein Roman, der feinsinnig und klug von schweren Schicksalen erzählt, das aber auf eine so sensible Weise, das wir sozusagen getröstet werden. Abgesehen davon, dass er sehr viele schöne Szenen enthält, sinnliche Schilderungen von Natur, Meer und Landschaft oder sehr innige Szenen aus der Kinderklinik. Man spürt, wie viel Respekt Monika Held vor ihren Figuren hat und wie viel Zuneigung für sie. Ein Roman, der Mut macht und Hoffnung, und der uns staunen lässt über die Leistungen unseres Gehirns und unseres Gedächtnisses. Denn nur die Erinnerung macht es uns möglich, wir selbst zu sein.
Monika Held: „Sommerkind“, Eichborn Verlag, 20 EUR, ISBN: 9783847906261

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hr-iNFO Büchercheck: Adrian McKinty „Rain Dogs“

„Rain Dogs“ von Adrian McKinty führt uns ins Nordirland Ende der 80er Jahre: im Innenhof einer alten Burg wird die Leiche einer jungen Journalistin der Financial Times gefunden, alles deutet auf Selbstmord hin. Doch Inspector Sean Duffy hat da so seine Zweifel…
hr-iNFO Büchercheckerin Karin Trappe hat den Krimi gelesen.

Worum geht es?
Nordirland 1987: der katholische Inspector Sean Duffy schaut jedes Mal unter sein Auto, bevor er losfährt, schließlich könnte eine Bombe darunterliegen. Es ist die Zeit der Unruhen, der Troubles, wie er es nennt. Eines Morgens wird er zu einem neuen Fall gerufen:einem Mitglied einer finnischen Delegation, deren Firma in der Nähe möglicherweise eine Mobilfunk-Fabrik errichten möchte, ist die Brieftasche gestohlen worden. Ein lächerlicher Fall, der schnell geklärt wird. Doch am nächsten Morgen ist die Journalistin Lily tot – sie hatte die Delegation begleitet. Sie liegt im Innenhof einer Burg, die über Nacht hermetisch abgeriegelt ist. Auf den Bändern der Überwachungskameras ist nichts zu sehen, also hat sie sich möglicherweise am Abend einschließen lassen und dann Selbstmord begangen? Ein Fall einer locked room mystery, also einem verschlossenen Ort, niemand darin außer dem Opfer, niemand konnte rein oder raus? Inspector Duffy glaubt nicht an die Selbstmord-Theorie, allerdings scheint alles andere auch unmöglich…
„Wir brauchen ein Motiv. Warum wollte sie jemand umbringen? Ärger mit einem Freund, Probleme bei der Arbeit. Crabbie, ich möchte, dass du die Financial Times anrufst und mit Lilys Chef sprichst, versuch auch, irgendwelche von ihren Freunden an die Strippe zu kriegen.“ „Kein Problem.“ „Lawson, Sie und ich versuchen uns mal daran, Lilys Tod zu rekonstruieren. Wenn wir sie unter den gegebenen Umständen umbringen wollten, wie würden wir das anstellen? Als Allererstes wollen wir mit hundertprozentiger Sicherheit feststellen, ob das Rätsel der verschlossen Burg tatsächlich eines ist.“

Wie ist es geschrieben?
Adrian McKinty entwickelt die Geschichte behutsam: viel wird erzählt von den Zuständen in Nordirland, von desillusionierten Polizisten, von Terror und wirtschaftlichem Elend. Und darin Inspector Duffy, intelligent, gebildet, gerade heraus und vor allem hartnäckig. Der jedes Fitzelchen eines Hinweises auf einen Mord aufgreift und eisern verfolgt. Ein wunderbar lakonisch erzählter, klassischer Kriminalroman.

Wie gefällt es?
In der Ruhe liegt die Kraft – könnte man sagen, wenn man „Rain Dogs“ von Adrian McKinty liest: Seite um Seite baut sich die Spannung auf, die Gewissheit, dass es Mord sein muss, aber eigentlich nicht sein kann. Mich hat aber auch die Schilderung des Nordirlands Ende der 80er Jahre fasziniert, das gelingt McKinty meisterlich. Und die Auflösung des Mordes in der abgeriegelten Burg ist grandios, das hat mich schwer beeindruckt.

Adrian McKinty: „Rain Dogs“, Suhrkamp Verlag, 14,95 EUR, ISBN: 978-3518467473

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Leseempfehlung: Omar El Akkad “American War”

An das Leseexemplar dieses Buches bin ich, zugegebenermaßen, mit spitzen Fingern herangegangen. Ein Buch, das die aktuelle Debatte um Donald Trump und seine Politik als Start nimmt – was soll dabei schon herauskommen? Aber weit gefehlt: Das heutige Amerika ist lediglich Ausgangspunkt, vielmehr ist die Geschichte in einem postapokalyptisch zerrütteten nordamerikanischen Kontinent angesiedelt, im Jahre 2075. Die USA der Zukunft sind politisch und aufgrund umwälzender Umweltveränderungen auf Kernlande zusammengeschrumpft und durch einen Bürgerkrieg in Nord und Süd gespalten.

Erzählt wird die Rahmengeschichte von einem Universitätsprofessor, der am Ende seines Lebens auf die Historie blickt und analysiert, wie es soweit kommen konnte. Amerika wird von Umweltkatastrophen heimgesucht, Unwetter toben, der Meeresspiegel steigt unaufhörlich an, Energie wird knapp, schließlich kollabiert das politische System, es kommt zu Bürgerkriegen und zu allem grassiert noch ein mutwillig freigelassenes Virus.

Wir erleben die Geschichte auch an der Seite von der jungen Sarat (mit „t“, weil ihr das besser gefällt), die im armen Süden aufwächst und deren Eltern sich in den reichen Norden aufmachen, um für sich und die Kinder bessere Lebensverhältnisse zu finden. Und dieser erzählerische Kniff, das ganz große Geschehen an der Familie Chestnut festzumachen und Sarat zu begleiten, macht all die Verwerfungen direkt erfahrbar. Dem Autor, Omar El Akkad, und den hervorragenden Übersetzern, Gabriele Kempf-Allié und Manfred Aillé, verdanken wir über die stimmig erzählte Geschichte hinaus wunderschöne Wendungen, wie z.B.: „Als sie die Luft in sich einsog, sah ich auf ihrem Gesicht etwas, das ich nie zuvor gesehen hatte: einen Ausdruck der Erleichterung, als hätte sie nicht Sekunden ohne Luft zugebracht, sondern ein ganzes Leben, und als sei sie jetzt endlich frei.“.

Klare Leseempfehlung!

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