Leseempfehlung: Omar El Akkad “American War”

An das Leseexemplar dieses Buches bin ich, zugegebenermaßen, mit spitzen Fingern herangegangen. Ein Buch, das die aktuelle Debatte um Donald Trump und seine Politik als Start nimmt – was soll dabei schon herauskommen? Aber weit gefehlt: Das heutige Amerika ist lediglich Ausgangspunkt, vielmehr ist die Geschichte in einem postapokalyptisch zerrütteten nordamerikanischen Kontinent angesiedelt, im Jahre 2075. Die USA der Zukunft sind politisch und aufgrund umwälzender Umweltveränderungen auf Kernlande zusammengeschrumpft und durch einen Bürgerkrieg in Nord und Süd gespalten.

Erzählt wird die Rahmengeschichte von einem Universitätsprofessor, der am Ende seines Lebens auf die Historie blickt und analysiert, wie es soweit kommen konnte. Amerika wird von Umweltkatastrophen heimgesucht, Unwetter toben, der Meeresspiegel steigt unaufhörlich an, Energie wird knapp, schließlich kollabiert das politische System, es kommt zu Bürgerkriegen und zu allem grassiert noch ein mutwillig freigelassenes Virus.

Wir erleben die Geschichte auch an der Seite von der jungen Sarat (mit „t“, weil ihr das besser gefällt), die im armen Süden aufwächst und deren Eltern sich in den reichen Norden aufmachen, um für sich und die Kinder bessere Lebensverhältnisse zu finden. Und dieser erzählerische Kniff, das ganz große Geschehen an der Familie Chestnut festzumachen und Sarat zu begleiten, macht all die Verwerfungen direkt erfahrbar. Dem Autor, Omar El Akkad, und den hervorragenden Übersetzern, Gabriele Kempf-Allié und Manfred Aillé, verdanken wir über die stimmig erzählte Geschichte hinaus wunderschöne Wendungen, wie z.B.: „Als sie die Luft in sich einsog, sah ich auf ihrem Gesicht etwas, das ich nie zuvor gesehen hatte: einen Ausdruck der Erleichterung, als hätte sie nicht Sekunden ohne Luft zugebracht, sondern ein ganzes Leben, und als sei sie jetzt endlich frei.“.

Klare Leseempfehlung!

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