hr-iNFO Büchercheck: Monika Geier „Alles so hell da vorn“

Diesmal führt uns die Kriminalhandlung in die Pfalz, nach Ludwigshafen. Hier arbeitet Kriminalkommissarin Bettina Boll, immer in Hektik, immer im Stress, denn neben der Arbeit erzieht sie noch die zwei Kinder ihrer verstorbenen Schwester. Doch, der Reihe nach: die Geschichte beginnt in Frankfurt am Main.
hr-iNFO Büchercheckerin Karin Trappe hat den Krimi gelesen.

Worum geht es?
Die sehr junge Prostituierte Manga empfängt in einem Frankfurter Vorort-Bordell einen Polizisten als Kunden, so weit nicht ungewöhnlich, ist er doch Stammgast und erscheint immer in voller Uniform. Doch der Besuch endet anders als sonst: Manga schnappt sich die Waffe des Polizisten, erschießt ihn, tötet auch noch einen Zuhälter und verschwindet mit dessen Auto Richtung Pfalz. Zielstrebig sucht sie im dem Dorf Höhbrücken den Schuldirektor auf und erschießt auch diesen. Dann lässt sie sich festnehmen. Und in dem Dorf fragen sich alle: handelt es sich bei der Schützin um Meggie, das Mädchen, das vor zehn Jahren spurlos aus dem Ort verschwand und jetzt Rache nimmt? Kriminalkommissarin Bettina Boll wird in die Soko berufen. Erschüttert von der Verstrickung ihres Kollegen in einen möglichen Kinderhandel-Fall, hin- und hergerissen zwischen der Arbeit und den Kindern, die sie erzieht, und abgelenkt von einem Hausverkauf, schafft sie es, die richtigen Zeugen zu befragen, die richtigen Fragen zu stellen, sich loyale Kollegen zu Hilfe zu rufen. Und am Ende den Fall aufzuklären, auch wenn nicht alle Schuldigen gefasst werden.

Wie ist es geschrieben?
Monika Geier hat einen besonderen Ton, einen eigenen Sound, böse, lakonisch, voll von schwarzem Humor, manchmal ausschweifend, an den richtigen Stellen verknappend – „Alles so hell da vorn“ ist ein Krimi auf höchstem Niveau. Er spielt in der Provinz, ist aber das Gegenteil von provinziell. Monika Geier beherrscht die Zeichnung von zum Teil skurrilen Personen, von Atmosphäre, von Gefühl und Aktion aufs allerbeste.
“Freunscht sah sie an und sagte: „Frau Boll, ich glaube, Sie haben da tatsächlich ein Detail ermittelt, das der Soko Meggie damals entgangen ist.“ Jetzt erst registrierte Lingen Bettinas Anwesenheit wirklich. Sein Blick fuhr einmal an ihr hinunter und dann voll triefender Verachtung wieder hoch. Schlampe, sagte dieser Blick. Analphabetin. Frau. „Spezialausbildung“, antwortete Bettina hochnäsig. „Glück“, fuhr Freunscht ihr von der Seite über den Mund.“

Wie gefällt es?
Für mich ist Monika Geier eine Entdeckung, eine späte, denn „Alles so hell da vorn“ ist bereits ihr siebter Fall mit Kriminalkommissarin Bettina Boll. Ich bin komplett begeistert von diesem Krimi, von der Sprache, dem subtilen Witz und der lässigen Darstellung einer chaotischen, aber äußerst klugen Kommissarin im Gestrüpp der Pfälzer Bürokratie. Unbedingt lesen!

Monika Geier: „Alles so hell da vorn“, Ariadne im Argumentverlag, 13 EUR, ISBN: 9783867542234

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