hr-iNFO Büchercheck: Kanae Minato „Geständnisse“

Das Buch „Geständnisse“ von Kanae Minato führt uns nach Japan, zu einer Lehrerin, die wegen des Todes ihrer Tochter Rache nimmt. Eine Rache, die viele Menschen ins Unglück stürzt.
hr-iNFO Büchercheckerin Karin Trappe hat den Krimi gelesen.

Worum geht es?
Yuko Moriguchi ist Lehrerin an einer Mittelschule in der Provinz, als ihre kleine Tochter Manami tot im Schulschwimmbecken gefunden wird. Ein tragischer Unfall, so das Ergebnis der Untersuchung. Aber Moriguchi hat Zweifel und findet die Wahrheit heraus: zwei Schüler ihrer Klasse haben gemeinsam Manami umgebracht. Als sie am Ende des Schuljahres ihren Abschied erklärt, berichtet sie in einer langen Rede ihren Schülerinnen und Schülern, was wirklich passiert ist. Sie nennt zwar nicht die Namen, aber alle wissen, wer die Schuldigen sind. Weil diese noch strafunmündig sind, erklärt Moriguchi zudem, in welcher Form sie den Mord rächen will: Die Täter sollen selbst nicht mehr sicher sein, noch lange zu leben. Damit setzt sie ein Drama in Gang, das sie nicht mehr unter Kontrolle hat, und das weitere Todesopfer fordert.

Wie ist es geschrieben?
Fünf Perspektiven, fünf verschiedene Geschichten, fünf Kapitel, die die Umstände des Mordes an der Tochter der Lehrerin Moriguchi erklären. Am Anfang ist es die Lehrerin selbst, die in ihrer Abschiedsrede die Wahrheit aufdeckt – doch dann gibt es auch die Wahrheiten der anderen: einer Klassenkameradin, der beiden Täter und der Mutter eines der Täter. Ein intelligentes, spannendes Konstrukt, ein Puzzlespiel, das sich im Kern um Verletzlichkeit, Zugehörigkeit, Egoismus und Anerkennung dreht und in Rache, Gewalt und Mord endet. Und am Ende scheinen alle Psychopathen zu sein, auch die Lehrerin und Mutter des Opfers.
„Nicht aus Edelmut halte ich die Identität von A und B geheim. Ich habe der Polizei nichts gesagt, weil ich der Justiz nicht zutraue, sie angemessen zu bestrafen. A hatte Manami töten wollen, war dann aber nicht der Verursacher ihres Todes, während B sie nicht hatte töten wollen und doch ihren Tod bewirkt hat. Würde ich sie der Polizei ausliefern, dann würden sie vermutlich nicht mal in eine Erziehungsanstalt kommen; ihre Strafe würde auf Bewährung ausgesetzt werden, und die ganze Sache wäre vergessen. Ich wünschte, ich könnte A unter Strom setzen und B ertränken, wie er meine Tochter ertränkt hat.“

Wie gefällt es?
„Geständnisse“ von Kanae Minato ist ein böses Buch über die Untiefen der menschlichen Psyche, über verletzte Kinderseelen und die Auswirkung von zu starken oder zu schwachen Müttern. Über den Wahn, in den man sich steigern kann, wenn man sich vernachlässigt, verlassen und verraten fühlt. Mich hat fasziniert, wie Kanae Minato das Verhalten der fünf Protagonisten seziert, es erklärt und damit verständlich macht. Und gleichzeitig überliefen mich mehrfach Schauer des Grauens angesichts der emotionalen Kälte der Täter, die doch nach nichts mehr gieren als nach menschlicher Zuneigung.

Kanae Minato: „Geständnisse“, C. Bertelsmann-Verlag, 16,99 EUR, ISBN: 9783570102909

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