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hr-iNFO Büchercheck: Leila Slimani „Dann schlaf auch du“

Leila Slimani wird als shooting Star der französischen Literaturszene gefeiert. Ihr Roman „Dann schlaf auch du“ führt uns nach Paris, zu einem gut situierten Paar. Nach dem zweiten Kind will Myriam wieder arbeiten gehen – also sucht sie zusammen mit ihrem Mann Paul nach einer Nanny. Sie finden die perfekte Lösung: Louise macht sich schnell unentbehrlich.
hr-iNFO Büchercheckerin Karin Trappe hat den Krimi gelesen.

Worum geht es?
Schon in den ersten Sätzen ist klar, wie die Geschichte endet: die beiden Kinder Adam und Mila werden sterben, und Louise ist ihre Mörderin. Die Nanny hat versucht, sich nach der Tat das Leben zu nehmen, hat allerdings überlebt. Der Rest ist Rückblick: Myriam und Paul leben glücklich zusammen, doch Myriam fühlt sich nach der Geburt des zweiten Kindes immer mehr eingeengt und will wieder arbeiten. Sie stellen Louise ein, die so liebevoll mit den Kindern umgeht, und dazu noch aufräumt, putzt und kocht. Nach kurzer Zeit geht nichts mehr ohne Louise, Myriam und Paul konzentrieren sich auf ihre Karrieren und genießen das Leben. Die kleinen Zeichen, die darauf hindeuten, dass mit Louise nicht alles in Ordnung ist, werden ignoriert. Weil ein Leben ohne Louise das gesamte Lebenskonstrukt zum Einstürzen bringen würde.

Wie ist es geschrieben?
Leila Slimani hat für das Buch „Dann schlaf auch du“ im vergangenen Jahr den wichtigsten französischen Literaturpreis erhalten – sie schreibt beiläufig, fast banal, und deckt dabei doch meisterhaft die Tiefen und Untiefen der Charaktere auf: da sind Myriam und Paul, die sicherlich ihre Kinder lieben, aber auch ihre beruflichen Erfolge schätzen. Die immer freundlich und fast freundschaftlich zu Louise sind, aber sich kein bisschen für sie und ihr Leben interessieren. Und da ist Louise selbst, ihre Ehe gescheitert, ihr eigenes Kind abgehauen – sie ist abhängig von ihrer Arbeit in einer fremden Familie und setzt alle ihre Energie daran, perfekt zu sein. Und Mila und Adam, die Kinder, lieben sie, trotz ihrer Strenge: „Sie bringt ihre Lippen dicht an Milas Ohr und sagt mit ruhiger, eisiger Stimme: „Lauf nie wieder weg, hörst du. Willst du, dass dich jemand klaut? Ein böser Mann? Das ist es, was nächstes Mal passieren wird. Dann kannst du schreien und weinen, so viel du willst, niemand wird kommen.“ Louise will das Kind gerade wieder absetzen, da spürt sie einen heftigen Schmerz in der Schulter. Sie schreit und versucht das Kind wegzustoßen, dessen Zähne sich tief in ihr Fleisch graben. Mila beißt sie bis aufs Blut und klammert sich dabei an Louises Arm wie ein verrückt gewordenes Tier.“

Wie gefällt es?
Es ist ein Sog, in den mich dieses Buch gezogen hat, ein Sog in die Katastrophe, von der ich ja wusste, dass sie passieren wird, es aber eigentlich nicht glauben wollte. Louise ist so perfekt, zuverlässig, talentiert in vielen Dingen. Aber die Demütigungen in ihrem Leben kann sie ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr überspielen. „Dann schlaf auch du“ von Leila Slimani ist nicht nur ein packender Psycho-Thriller, sondern ein Gesellschaftsroman über die vor allem in Frankreich typischen Familienverhältnisse von arbeitenden Eltern und den oft mehr oder weniger unsichtbaren Nannys.

Leila Slimani: „Dann schlaf auch du“, Luchterhand-Verlag, 20 EUR, ISBN: 9783630875545

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hr-iNFO Büchercheck: Tristan Garcia „Faber. Der Zerstörer“

Tristan Garcia hat sich mit einer Philosophie des intensiven Lebens zu einer Stimme Frankreichs gemacht. Doch Garcia schreibt wie andere Lebensphilosophen, Camus oder Sartre etwa, auch Romane. Und tatsächlich kann man seinen Roman „Faber. Der Zerstörer“ aus der Perspektive seiner Philosophie lesen.
hr-iNFO Bücherchecker Frank Statzner hat den Roman gelesen.

Worum geht es?
Basile, Madeleine und Faber lernen sich in den 80ern kennen, als sie in die Grundschule gehen. Basile und Madeleine stammen aus dem Kleinbürgertum einer Provinzstadt. Fabers familiäre Wurzeln sind in Nordafrika. Er wächst bei Pflegeeltern auf, ebenfalls kleine Leute, die alles für ihn geben. Faber wird zu einer Art großer Bruder und Schutzengel für die beiden anderen. Angstfrei, stark, gewitzt und extrem schnell im Denken, wird er zur Respektsperson unter den Schülern und schließlich zum Idol der Schule. Jegliche Kühnheit der Jugend scheint in ihm personifiziert. Fast schon dämonisch wirkt er. Aber das Trio entzweit sich. Faber taucht ab. Madeleine und Basile bleiben verletzt und ratlos zurück. Sie entwickeln sich zu den Durchschnittstypen, die ihre Eltern schon sind. Basile formuliert es so:
„Ich begriff, dass ich ein Provinzler war und es wahrscheinlich bleiben würde. Was bedeutete, dass ich nur halb geboren und teilweise schon gestorben war. Ich fühlte mich halbseitig taub, wie gelähmt. Dieses mit Nicht-Leben vermischte Leben war meine Bestimmung. Und eigentlich war mir das nicht unangenehm. Dann blickte ich zu Faber hinüber. Ich wusste, dass er sich niemals mit derart platten, enttäuschenden und friedlichen Wahrheiten abfinden würde.“
Nach vielen Jahren wollen sich Madeleine und Basile an Faber rächen. Sie holen ihn zurück. Er ist nur noch ein Schatten seiner selbst, ein kaputter und verwahrloster Typ. Aber er hat immer noch Macht über sie. Vergangenheit und Gegenwart, die Zukunftshoffnungen und Träume der Jugendlichen und die desillusionierende Wirklichkeit der Erwachsenen prallen aufeinander. Eine mörderische Gemengelage.

Wie ist es geschrieben?
Man kann diesen Roman wie einen Thriller lesen. Viele Rätsel tauchen auf, Kapitel für Kapitel neue Spuren, richtige und falsche Fährten. Spannend und raffiniert. Erzählt wird aus der Perspektive der drei Figuren und auf zwei Zeitebenen, der Gegenwart und der Vergangenheit. Auch die verschiedenen Blicke auf dieselbe Geschichte erhöhen die Spannung. Zum Schluss taucht dann überraschend noch ein vierter Erzähler auf, der die Geschichte auf den Kopf stellt.

Wie gefällt es?
Ich finde, dieses Buch ist ein Knaller. Von Anfang bis Ende hat mich die Geschichte gefesselt. Sie ist spannend und tief schürfend zugleich. Sie hat mich förmlich hinein gesogen in den provinziellen Schauplatz mit seiner erstarrten Gesellschaft, in das Denken und Empfinden der Protagonisten, in die Aufbruchstimmung und den Idealismus ihrer Jugend, aber auch in ihre Verirrung, Überreizung und schließlich Erschlaffung. Einfach furios.
Tristan Garcia: „Faber. Der Zerstörer“, Wagenbach Verlag, 24 EUR, ISBN: 9783803132888

 

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hr-iNFO Büchercheck: Christian von Ditfurth „Giftflut“

Christian von Ditfurth schildert in „Giftflut“ einen Terroranschlag unbeschreiblichen Ausmaßes: innerhalb weniger Tage werden große Brücken in Berlin, Paris und London in die Luft gesprengt. Hunderte von Toten. Und es hört nicht auf: Anschlag folgt auf Anschlag. Es gibt keinerlei Hinweise auf die Täter.
hr-iNFO Büchercheckerin Karin Trappe hat den Krimi gelesen.

Worum geht es?
In Berlin ist Hauptkommissar Eugen de Bodt für die Ermittlungen zuständig – eigensinnig und vor allem nicht bereit, sich in die bürokratischen Hierarchien einzufügen. Und damit immer kurz vor dem Rausschmiss, hätte er in der Vergangenheit nicht spektakuläre Erfolge gefeiert. Doch mit diesen Terroranschlägen wirkt auch de Bodt überfordert: keine Spuren, keine Indizien, keine Hinweise. Ausschließlich das Thema Wasser verbindet alle Verbrechen, wurden in den drei europäischen Hauptstädten doch auch die Chefs der Wasserwerke in ihren Badewannen ertränkt. Was ist das Ziel dieser Attentäter? Werden die Regierungen erpresst? Wollen Staaten, die durch den Klimawandel von Überschwemmung bedroht sind, den westlichen Staaten den Krieg erklären? Derweil geraten die Regierungen in Europa in die Krise, die Börsen stürzen ab, die Rechtsradikalen gewinnen an Zustimmung…
„„Wasser“, sagte de Bodt. „Irgendwas mit Wasser. Sie haben ja auch das Wasser abgestellt. Kurz nur. Wie gesagt, die übliche Kundschaft hätte gleich das Wasserwerk in die Luft gejagt. Oder Plutonium ins Trinkwasser gekippt.“ „Ganz Europa hat Terroristendaueralarm. Und doch sprengt da irgendwer einfach die Brücken weg“, sagte Salinger. „Wir kommen so nicht weiter“, sagte de Bodt leise.“

Wie ist es geschrieben?
263 Kapitel plus Epilog plus Prolog – „Giftflut“ von Christian von Ditfurth ist ein atemloser Krimi, kurz und prägnant, geschrieben aus verschiedenen Perspektiven: neben dem Berliner Team um Kommissar de Bodt sind da noch die Killer, die die Verbrechen ausführen, aber ihre Auftraggeber nicht kennen und auch nicht wissen, was hinter dem Ganzen steckt. Und ein Hamburger Tourist fern der Heimat, der eigentlich nur ins Internet will und sich zufällig in das Netzwerk der Killer hackt. Er wird entdeckt, soll getötet werden, aber erwischt wird dessen Freundin. Ab dann sinnt er nur noch auf Rache und mischt mit in dieser ganz großen Verschwörung, naiv, aber skrupellos.

Wie gefällt es?
Hunderte Tote, Terror in Europa, ein Kontinent im Ausnahmezustand – Christian von Ditfurth hat mit „Giftflut“ einen klug konstruierten Thriller geschrieben. Die realistische Perspektive hat mir besonders gefallen, die Kanzlerin mit dem direkten Draht zu Kommissar de Bodt, die Engländer, die sich wegen des Brexits aus einer gemeinsamen Ermittlung heraushalten. BKA und Verfassungsschutz, die nur darauf bedacht sind, ja keinen Fehler zu begehen. Nachzufühlen ist die Verzweiflung des Berliner Kripo-Teams, mit jedem Ermittlungserfolg vor einer neuen großen Frage zu stehen. Und für alle Hessen unter uns: in Frankfurt wird der Fall geklärt.

Christian von Ditfurth: „Giftflut“, Verlag carl’s books, 15 EUR, ISBN: 978-3570585658

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hr-iNFO Büchercheck: Arundhati Roy „Das Ministerium des äußersten Glücks“

Mit Ihrem Debüt-Roman „Der Gott der kleinen Dinge“ landete Arundhati Roy 1997 einen weltweiten Bestseller. Danach engagierte sich die Schriftstellerin vor allem politisch und ökologisch. Jetzt, 20 Jahre später ist, lang erwartet, ihr zweiter Roman erschienen. „Das Ministerium des äußerten Glücks“ heißt er.
hr-iNFO Bücherchecker Alf Mentzer hat den Roman gelesen.

Worum geht es?
Arundhati Roy erzählt die Geschichte des modernen Indiens als Geschichte einer vollkommen zerrissenen Gesellschaft, und er erzählt diese Geschichte von den Rändern dieser Gesellschaft her. Da ist einmal die transsexuelle Anjum, die als Junge geboren, sich mit 16 geschlechtsumwandeln lässt , zu Dehlis berühmtester Hijra wird, bevor sie mit 46 auf einen Friedhof zieht und dort eine immer größere und immer lebendigere Kommune um sich versammelt. Und dann ist da Tilo, eine Architektin, die durch die Liebe zu einem muslimischen Widerstandskämpfer in den immer wieder aufbrechenden Kaschmirkonflikt hineingezogen wird. Beide Frauen sind Grenzgängerinnen, die sich schmerzensreich, aber letztendlich doch souverän über all das hinwegsetzen, was Indien heute entzweit.

Wie ist es geschrieben?
Arundhati Roy erzählt von grauenvollen Ereignissen, von Folter, von Pogromen, von Umweltkatastrophen, aber sie erzählt das in einem merkwürdig abgeklärten, teilweise sarkastischen Stil: „Der Tod war überall, der Tod war alles. Karriere. Begehren. Traum. Poesie. Liebe. Jugend. Sterben wurde zu einer neuen Lebensweise. Friedhöfe wurden in Parks und auf Wiesen angelegt, neben Flüssen und Bächen, auf Feldern und in bewaldeten Tälern. Grabsteine wuchsen aus der Erde, wie kleinen Kindern Zähne wachsen.“
Hier spricht die politische Aktivistin, hier spricht aber auch die Beobachterin der indischen Geschichte, die ein Stück weit resigniert hat, angesichts der endlosen Konflikte und der absurden Unfähigkeit einer korrupten politischen Klasse. Der Politik traut Arundhati Roy offenbar nichts zu; auf große Lösungen hofft sie nicht; Hoffnung gibt es nur auf der Ebene der einzelnen Menschen, die sich irgendwie durchschlagen müssen und von deren verzweifeltem Mut und bitterem Humor sie erzählt. Mitunter zerfasert dabei die Handlung, zersplittert das Geschehen, wird redundant, aber das ist offenbar auch ein bewusst gewähltes Prinzip dieses Romans.

Wie gefällt es?
Es ist nicht alles gelungen in diesem mehr als 500-seitigen Roman. Der Handlungsverlauf ist nicht immer zwingend; mitunter bewegt er sich fast gar nicht von der Stelle. Figuren, die man liebgewonnen hat, verschwinden und tauchen erst hunderte Seiten später wieder auf, ohne dass wirklich klar ist, warum. Dieser Roman ist teilweise genauso zerrrissen, wie die Gesellschaft, die er beschreibt – und trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen hat er mich gepackt. Arundhati Roy macht sich, und macht uns keine Illusionen. Sie erzählt die Geschichte Indiens mit all den Grausamkeiten und Absurditäten, die dazu gehören, aber auch mit einer gehörigen Portion Sympathie für die Menschen, die darunter zu leiden haben. Es ist diese Spannung, die den Roman äußerst lesenswert macht.

Arundhati Roy: „Das Ministerium des äußersten Glücks“, S. Fischer, 24 EUR, ISBN: ISBN: 978-3-10-002534-0

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hr-iNFO Büchercheck: Monika Held „Sommerkind“

Monika Held war jahrelang Reporterin bei der „Brigitte“ und hat die ganze Welt bereist. In ihren Romanen geht sie eigenwilligen Menschen und schwierigen Schicksalen nach. Ihre Fähigkeit, sich in komplizierte Charaktere einzufühlen und diese sensibel zu beschreiben, ist beeindruckend. Auch in „Sommerkind“ beweist sie das.
hr-iNFO Büchercheckerin Sylvia Schwab hat den Roman gelesen.

Worum geht es?
Im Mittelpunkt steht Malu, ein Sommerkind. So werden Kinder genannt, die im Sommer fast ertrinken und durch den erlittenen Sauerstoffmangel im Koma liegen. Malu ist neun Jahre alt, als sie im Schwimmbad fast ertrinkt, während ihr 16-jähriger Bruder Kolja mit einem Mädchen, das er sehr mag, auf einer Bank sitzt. Malu kommt in eine Spezialklinik, überlebt, und wird ihr ganzes Leben im Koma verbringen. Die Ehe der Eltern zerbricht an dem schrecklichen Ereignis, die Mutter wird depressiv. Und Kolja wird sich sein Leben lang verantwortlich fühlen für den Unfall. Hier gibt es neben Kolja noch eine zweite Protagonistin, Ragna nämlich, die Ich-Erzählerin, die damals neben dem Jungen auf der Bank saß und Malu im letzten Augenblick das Leben gerettet hat. Ragna kann sich nicht mehr an den Unfall erinnern. Kolja soll ihr helfen, das Vergessene wieder zu finden.

Wie ist es geschrieben?
Monika Held verbindet sehr unterschiedliche Themen miteinander: Eine Frau, die auf der Suche ist nach ihrer Erinnerung. Dazu kommt Koljas Lebensgeschichte und sein Trauma, schuldig zu sein am Unfall seiner Schwester. Und schließlich Koljas Erlebnisse in einer Klinik für Komakinder. Überall spielt auch die Erinnerung eine Rolle. Zusammengebunden werden diese Motive durch eine ruhige, melodische Sprache. Monika Held findet immer wieder einen leisen, eindringlichen Ton. Für die dramatischen Ereignissen und heftigen Emotionen, aber auch für die eher abstrakten Beschreibungen von Gedächtnis und Erinnerung. Sie verwandelt das Leben ihrer Protagonisten in erzählte Bilder, die sich in der Phantasie des Lesers zurückverwandeln in Leben.

„Ich habe mit zehn Jahren einen Fotoapparat bekommen. Nach den ersten Bildern war ich süchtig nach Motiven. Bei allem, was mir vor die Linse kam, dachte ich: meins. Der Baum: gehört mir. Die Taube: gehört mir. Die Hunde, Katzen, alle Menschen, die ich mit meiner ersten Kamera festhielt, jeder Fisch an der Angel wurde mein Eigentum. Ich war ein Dieb, ich stahl mit den Augen.”

Wie gefällt es?
„Sommerkind“ es ist trotz seiner schwierigen Themen ein wohltuendes Buch. Ein Roman, der feinsinnig und klug von schweren Schicksalen erzählt, das aber auf eine so sensible Weise, das wir sozusagen getröstet werden. Abgesehen davon, dass er sehr viele schöne Szenen enthält, sinnliche Schilderungen von Natur, Meer und Landschaft oder sehr innige Szenen aus der Kinderklinik. Man spürt, wie viel Respekt Monika Held vor ihren Figuren hat und wie viel Zuneigung für sie. Ein Roman, der Mut macht und Hoffnung, und der uns staunen lässt über die Leistungen unseres Gehirns und unseres Gedächtnisses. Denn nur die Erinnerung macht es uns möglich, wir selbst zu sein.
Monika Held: „Sommerkind“, Eichborn Verlag, 20 EUR, ISBN: 9783847906261

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hr-iNFO Büchercheck: Adrian McKinty „Rain Dogs“

„Rain Dogs“ von Adrian McKinty führt uns ins Nordirland Ende der 80er Jahre: im Innenhof einer alten Burg wird die Leiche einer jungen Journalistin der Financial Times gefunden, alles deutet auf Selbstmord hin. Doch Inspector Sean Duffy hat da so seine Zweifel…
hr-iNFO Büchercheckerin Karin Trappe hat den Krimi gelesen.

Worum geht es?
Nordirland 1987: der katholische Inspector Sean Duffy schaut jedes Mal unter sein Auto, bevor er losfährt, schließlich könnte eine Bombe darunterliegen. Es ist die Zeit der Unruhen, der Troubles, wie er es nennt. Eines Morgens wird er zu einem neuen Fall gerufen:einem Mitglied einer finnischen Delegation, deren Firma in der Nähe möglicherweise eine Mobilfunk-Fabrik errichten möchte, ist die Brieftasche gestohlen worden. Ein lächerlicher Fall, der schnell geklärt wird. Doch am nächsten Morgen ist die Journalistin Lily tot – sie hatte die Delegation begleitet. Sie liegt im Innenhof einer Burg, die über Nacht hermetisch abgeriegelt ist. Auf den Bändern der Überwachungskameras ist nichts zu sehen, also hat sie sich möglicherweise am Abend einschließen lassen und dann Selbstmord begangen? Ein Fall einer locked room mystery, also einem verschlossenen Ort, niemand darin außer dem Opfer, niemand konnte rein oder raus? Inspector Duffy glaubt nicht an die Selbstmord-Theorie, allerdings scheint alles andere auch unmöglich…
„Wir brauchen ein Motiv. Warum wollte sie jemand umbringen? Ärger mit einem Freund, Probleme bei der Arbeit. Crabbie, ich möchte, dass du die Financial Times anrufst und mit Lilys Chef sprichst, versuch auch, irgendwelche von ihren Freunden an die Strippe zu kriegen.“ „Kein Problem.“ „Lawson, Sie und ich versuchen uns mal daran, Lilys Tod zu rekonstruieren. Wenn wir sie unter den gegebenen Umständen umbringen wollten, wie würden wir das anstellen? Als Allererstes wollen wir mit hundertprozentiger Sicherheit feststellen, ob das Rätsel der verschlossen Burg tatsächlich eines ist.“

Wie ist es geschrieben?
Adrian McKinty entwickelt die Geschichte behutsam: viel wird erzählt von den Zuständen in Nordirland, von desillusionierten Polizisten, von Terror und wirtschaftlichem Elend. Und darin Inspector Duffy, intelligent, gebildet, gerade heraus und vor allem hartnäckig. Der jedes Fitzelchen eines Hinweises auf einen Mord aufgreift und eisern verfolgt. Ein wunderbar lakonisch erzählter, klassischer Kriminalroman.

Wie gefällt es?
In der Ruhe liegt die Kraft – könnte man sagen, wenn man „Rain Dogs“ von Adrian McKinty liest: Seite um Seite baut sich die Spannung auf, die Gewissheit, dass es Mord sein muss, aber eigentlich nicht sein kann. Mich hat aber auch die Schilderung des Nordirlands Ende der 80er Jahre fasziniert, das gelingt McKinty meisterlich. Und die Auflösung des Mordes in der abgeriegelten Burg ist grandios, das hat mich schwer beeindruckt.

Adrian McKinty: „Rain Dogs“, Suhrkamp Verlag, 14,95 EUR, ISBN: 978-3518467473

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hr-iNFO Büchercheck: Bodo Kirchhoff „Betreff: Einladung zu einer Kreuzfahrt“

Bodo Kirchhoff, der Frankfurter Schriftsteller, der im vergangenen Jahr den Deutschen Buchpreis bekam, hat sich nach diesem Erfolg nicht etwa auf eine Kreuzfahrt begeben, sondern ein Buch über das Thema geschrieben. Es heißt: „Betreff: Einladung zu einer Kreuzfahrt.“ Und tatsächlich besteht das Buch aus der E-Mail eines Schriftstellers an eine Reederei, die ihn für eine Kreuzfahrt durch die Karibik unter Vertrag nehmen will. Mehr darüber von hr-iNFO-Bücherchecker Frank Statzner.

Das Angebot klingt verlockend. Rundfahrt durch die Karibik mit Start und Ziel in Havanna. Freie Kost und Logis, Außenkabine mit Balkon. Mit Begleitung. Aber die Reederei stellt Bedingungen. Natürlich soll der Schriftsteller abends aus seinem Werk vorlesen. Eine Zusammenfassung der betreffenden Inhalte möchte der Veranstalter vorher sehen und prüfen können. Denn: die Gäste sollen sich ja wohl fühlen können. Der Autor soll ihnen freundlich zugeneigt sein. Liebschaften mit den Passagieren sind allerdings untersagt. Der Autor setzt sich an den PC und schreibt eine 120 Seiten lange E-Mail. Er wägt ab, formuliert seine Bedenken, die Reize des Angebots kommen aber auch immer wieder hervor. Nicht zuletzt sein Interesse an seiner Ansprechpartnerin beim Veranstalter. Kirchhoff lässt Kulturen aufeinander klatschen. Vom Kreuzfahrtpublikum hält sein Protagonist nichts. “Nehmen wir an, vier bis fünf von einem langen Tag auf dem Sonnendreck frisch Gebräunte säßen in leichter Bekleidung, um möglichst viel von ihrer Tagesleistung zu zeigen, in der ersten Reihe und müssten sich anhören, wie mein Romanheld zu der am Flughafen aufgegabelten Frau, als sie sich später in einem Hotelzimmer auszieht, sagt, dass mit jeder Hülle auch ein Stück Schönheit fällt, alles Schöne still zu Bruch geht. Müsste dann das weibliche Publikum – Männer besuchen nur unter dem Druck ihrer Frauen eine Lesung – nicht denken, dass ihr ganzer Karibiktag vergebens war und das Sonnendeck als einen Ort der Zerstörung sehen?

Und wie muss es erst sein, wenn Tätowierte ihn in den Whirl-Pool einladen? Er soll ja freundlich und zugewandt sein? Er, der doch eher der Freund eines gepflegten Whiskys am Kaminfeuer ist und die Kreuzfahrtschiffe am liebsten zur Sammelstation und Unterkunft von Flüchtlingen umfunktionieren würde. Das wirkt ein wenig klischeehaft, aber indem er sich an seinem Bild der Gäste und an den Auflagen der Reederei abarbeitet, hält er sich selbst einen Spiegel vor. Elitär bis überheblich, süffisant, boshaft, aber auch narzistisch und larmoyant. Dadurch entsteht Spannung, auch für die Story. Wie wird er sich am Ende entscheiden?

Die Form der E-Mail erfordert einen Monolog. Da der Protagonist ein Schreiber alter Schule ist, monologisiert er in teils gedrechselten Sätzen und in ausgefeilter Sprache. Das steht in einem reizvollen Spannungsverhältnis zum boshaften Spott über die Kreuzfahrt-Kultur oder auch zur manchmal durchscheinenden Ironie, mit der sich dieser Schriftsteller selbst inszeniert. Kirchhoff präsentiert sich hier von einer anderen Seite als in den letzten drei Büchern. Hier zieht er vom Leder, mit allem, was ihm sein Humorarsenal zur Verfügung stellt: Ironie, Satire, Sarkasmus, Spott. Sehr unterhaltsam, wenn man nicht gerade Kreuzfahrt-Fan ist.

Bodo Kirchhoff: „Betreff: Einladung zu einer Kreuzfahrt“, Frankfurter Verlagsanstalt, 18 EUR, ISBN: 9783627002411

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hr-iNFO Büchercheck: Monika Geier „Alles so hell da vorn“

Diesmal führt uns die Kriminalhandlung in die Pfalz, nach Ludwigshafen. Hier arbeitet Kriminalkommissarin Bettina Boll, immer in Hektik, immer im Stress, denn neben der Arbeit erzieht sie noch die zwei Kinder ihrer verstorbenen Schwester. Doch, der Reihe nach: die Geschichte beginnt in Frankfurt am Main.
hr-iNFO Büchercheckerin Karin Trappe hat den Krimi gelesen.

Worum geht es?
Die sehr junge Prostituierte Manga empfängt in einem Frankfurter Vorort-Bordell einen Polizisten als Kunden, so weit nicht ungewöhnlich, ist er doch Stammgast und erscheint immer in voller Uniform. Doch der Besuch endet anders als sonst: Manga schnappt sich die Waffe des Polizisten, erschießt ihn, tötet auch noch einen Zuhälter und verschwindet mit dessen Auto Richtung Pfalz. Zielstrebig sucht sie im dem Dorf Höhbrücken den Schuldirektor auf und erschießt auch diesen. Dann lässt sie sich festnehmen. Und in dem Dorf fragen sich alle: handelt es sich bei der Schützin um Meggie, das Mädchen, das vor zehn Jahren spurlos aus dem Ort verschwand und jetzt Rache nimmt? Kriminalkommissarin Bettina Boll wird in die Soko berufen. Erschüttert von der Verstrickung ihres Kollegen in einen möglichen Kinderhandel-Fall, hin- und hergerissen zwischen der Arbeit und den Kindern, die sie erzieht, und abgelenkt von einem Hausverkauf, schafft sie es, die richtigen Zeugen zu befragen, die richtigen Fragen zu stellen, sich loyale Kollegen zu Hilfe zu rufen. Und am Ende den Fall aufzuklären, auch wenn nicht alle Schuldigen gefasst werden.

Wie ist es geschrieben?
Monika Geier hat einen besonderen Ton, einen eigenen Sound, böse, lakonisch, voll von schwarzem Humor, manchmal ausschweifend, an den richtigen Stellen verknappend – „Alles so hell da vorn“ ist ein Krimi auf höchstem Niveau. Er spielt in der Provinz, ist aber das Gegenteil von provinziell. Monika Geier beherrscht die Zeichnung von zum Teil skurrilen Personen, von Atmosphäre, von Gefühl und Aktion aufs allerbeste.
“Freunscht sah sie an und sagte: „Frau Boll, ich glaube, Sie haben da tatsächlich ein Detail ermittelt, das der Soko Meggie damals entgangen ist.“ Jetzt erst registrierte Lingen Bettinas Anwesenheit wirklich. Sein Blick fuhr einmal an ihr hinunter und dann voll triefender Verachtung wieder hoch. Schlampe, sagte dieser Blick. Analphabetin. Frau. „Spezialausbildung“, antwortete Bettina hochnäsig. „Glück“, fuhr Freunscht ihr von der Seite über den Mund.“

Wie gefällt es?
Für mich ist Monika Geier eine Entdeckung, eine späte, denn „Alles so hell da vorn“ ist bereits ihr siebter Fall mit Kriminalkommissarin Bettina Boll. Ich bin komplett begeistert von diesem Krimi, von der Sprache, dem subtilen Witz und der lässigen Darstellung einer chaotischen, aber äußerst klugen Kommissarin im Gestrüpp der Pfälzer Bürokratie. Unbedingt lesen!

Monika Geier: „Alles so hell da vorn“, Ariadne im Argumentverlag, 13 EUR, ISBN: 9783867542234

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hr-iNFO Büchercheck: Nicholas Searle „Das alte Böse“

Das Buch „Das alte Böse“ des Briten Nicholas Searle fängt ungewöhnlich an: Roy und Betty, beide über 80 Jahre alt, lernen sich über ein Datingportal kennen. Sie treffen sich, sie mögen sich, und bald zieht Roy zu Betty in ihr Haus auf dem Land. Doch von Beginn an ist klar: Roy hat es eigentlich nur auf das Geld von Betty abgesehen. Tappt Betty in die Falle?
hr-iNFO Büchercheckerin Karin Trappe hat den Krimi gelesen.

Worum geht es?
Roy ist ein Krimineller, sein ganzes Leben hat er auf Lügen und Betrügen aufgebaut. Allmählich fühlt er sich zu alt dafür, aber noch einmal will er zuschlagen, will das große Geld machen und sich dann zur Ruhe setzen. Betty scheint das ideale Opfer zu sein: gebildet, aber naiv, intelligent, aber gutmütig. Und vor allem mit viel Geld auf dem Konto. Nur mit Widerwillen erträgt Roy das gemeinsame Leben, um an sein Ziel zu gelangen:
“Roy bricht zu einem Spaziergang auf, nur um aus dem Haus zu kommen. Betty hat sich an ihr pingeliges Putzprogramm gemacht. Also brummelte er etwas in der Art, sie in Ruhe machen lassen zu wollen, und schlurft nun mühsam das Kopfsteinpflaster entlang. Erst wenn er außer Sicht ist, kann er die Füße heben und etwas schneller gehen. Sich so gebrechlich zu stellen kostet ihn einige Mühe, aber es muss sein. Endlich ist er weg. Offenbar bekommt man ihn nachmittags wirklich nur aus diesem Sessel, indem man zu putzen anfängt. Manchmal muss sie auch selbst das Haus verlassen und ausgedachten Tee mit ausgedachten Freundinnen trinken oder so tun, als habe sie etwas zu besorgen, damit sie sich sammeln, den Puls beruhigen und wieder gute Miene zum bösen Spiel machen kann.“
Roy hält die Fäden in der Hand, er manipuliert Betty, die scheinbar nichts bemerkt. Aber ist sie wirklich so unbedarft? Oder spielt auch sie ein Spiel mit ihm?

Wie ist es geschrieben?
Dass Roy wirklich das Böse ist, erfahren wir nicht nur durch sein Zusammenleben mit Betty, sondern auch in einigen Rückblenden, die die ganze Bandbreite seiner kriminellen Vergangenheit zeigen. Sie reicht bis ans Ende der 30er Jahre in Berlin. Stilistisch überzeugend erzählt Autor Nicholas Searle von dem Katz- und Maus-Spiel zwischen Roy und Betty, gekonnt schafft er es, eine unterschwellige Spannung bis zum Schluss zu halten.

Wie gefällt es?
Das Buch fängt harmlos an: ja, Roy ist böse, ein Ganove alter Art, aber ist Betty nicht die Schlauere, die Intelligentere? Ich habe mich vor Roy geekelt, er hat mich angewidert, ich habe darauf gehofft, dass Betty noch irgendeinen Trumpf in der Hand hält, um diesen Menschen fertigzumachen. Und – ich kann ja das Ende eines Krimis nicht verraten– es gibt ein grandioses Finale, das alles noch einmal auf den Kopf stellt. Mich hat die intelligent und klug geschriebene Geschichte von Verbrechen und Rache absolut überzeugt.

Nicholas Searle: „Das böse Alte“, Kindler-Verlag, 19,95 EUR, ISBN: 9783463406671

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hr-iNFO Büchercheck: Anke Stelling „Fürsorge“

“Fürsorge“, der Titel klingt nach einem Sachbuch oder auch nach einem Ratgeber für Mitarbeiter von Pflegediensten. Aber Anke Stelling hat einen Roman geschrieben, einen ganz besonderen sogar.
hr-iNFO Büchercheckerin Sylvia Schwab hat den Roman gelesen.

Worum geht es?
Achtung! Dieser Roman packt ein Tabu-Thema an: den Inzest. Nadja heißt die Protagonistin, sie ist Ende 30, war eine berühmte Balletttänzerin und hat das Tanzen gerade an den Nagel gehängt. Sie ist eine zierliche, zeitlos schöne Frau, die sich ihr Leben lang nur über ihren Körper definiert hat. Eines Tages besucht Nadja ihre Mutter und ihren 16jährigen Sohn, der bei der Großmutter aufgewachsen ist. Um ihn hat sich Nadja nie gekümmert, sie kennt ihn nicht. Und diesem großen, muskulösen jungen Mario verfällt Nadja, wie sie noch nie einem Mann verfallen ist. Es entwickelt sich eine hemmungslose sexuelle Beziehung von ungeheurer Wucht. Am Schluss des Romans bekommt Nadja ein Kind, ist also Mutter und Großmutter zugleich.

Wie ist es geschrieben?
Anke Stellings Sprache und ihr Stil sind so kühl und distanziert wie ihre Haltung gegenüber ihren Figuren. Sie schreibt präzise und pointiert, manchmal auch spitz – aber eben mit großer Distanz aus der Sicht einer Bekannten von Nadja. Mit einem Blick für die Gründe und Abgründe ihrer Protagonisten, sehr sensibel – aber wie durch ein umgedrehtes Fernrohr. Nah und fern zugleich. Man kann sich nicht fallen lassen in diese Geschichte, die Figuren sollen dem Leser fremd bleiben. Und ab und zu schlägt die bewusste Sachlichkeit auch um in eine schräge Bosheit.
” Nadja richtet sich auf, sieht zu, wie Mario aus Jacke und Turnschuhen schlüpft. Das Geräusch, das entsteht, als der eine Schuh beim Abschütteln gegen den Bettkasten stößt, lässt Nadja kurz die Augen schließen; als sie sie wieder öffnet, ist Mario schon bei ihr. Nadja ist leicht und unnatürlich biegsam. Mario ist schwer und unnatürlich stark. Er betrachtet Nadja als eine seiner Trainingsmaschinen, dazu vorgesehen, die Funktionen seines Körpers zu verbessern.“

Wie gefällt es?
Der Roman provoziert, auch durch Fragen, die er stellt, aber nicht beantwortet. Was dürfen Mütter mit Söhnen machen? Und Söhne mit Müttern? Wie wäre es, wenn eine Vater-Tochter-Beziehung geschildert würde? Einmal wird im Roman die umstrittene Ausstellung „Körperwelten“ des Anatoms Gunther von Hagens erwähnt. In der ja menschliche Körper aufgeschnitten und plastiniert zur Schau gestellt wurden. Anke Stellings Roman arbeitet ähnlich: er zeigt das Intimste, das Innerste seiner Figuren, und trotzdem bleiben sie kühl und fremd. Und behalten ihr Geheimnis. Ich finde: Ein packender Roman!!

Anke Stelling: „Fürsorge“, Verbrecher Verlag 2017, 19 EUR, ISBN: 9783957322326

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