ASTROLIBRIUM – Erlesenes

ASTROLIBRIUM: Eva Eberwein „Der Garten von Hermann Hesse“

Hier lohnt jeder Blick, hier lohnt das Lesen, hier lohnt sich die bibliophile Leidenschaft in die Garten- und Denkwelt von Menschen einzutauchen, die nicht nur ihre Fantasie im fruchtbaren Boden ihrer Leser aussäen, die zarten Pflänzchen hegten und pflegten und schon lange damit begonnen haben, die Ernte ihrer Bemühungen einzufahren. So sind das Hesse-Haus und sein Garten heute die magischen Anziehungspunkte für Literatur- und Gartenfreunde gleichermaßen. Und doch sind es keine Relikte aus alter Zeit. Allein schon den Garten von Eva Eberwein kann man als Symbiose aus Vergangenem und neuer Blüte bezeichnen.

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ASTROLIBRIUM: Catherine Meurisse “Die Leichtigkeit” (Graphic Novel)

Der Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Berlin verleiht diesem Buch eine weitere Aktualität, auf die es gerne verzichtet hätte. Die Welt hat sich verändert. Unsere kleine heile Welt ist angreifbar geworden und dadurch auch ein wenig zusammengerückt. Im Rückblick auf die eigene Traumatisierung wird deutlich, welche Reaktionen von außen hilfreich waren und welche als vermessen gesehen wurden. Wer „Die Leichtigkeit“ in seiner vollen Tragweite verinnerlicht, wird es sich vielleicht mehrfach überlegen, was es für diese Betroffene bedeutet hat, die Parole „Je suis Charlie“ zu kultivieren, während sie selbst nicht mehr wusste, wer sie war und wer sie jemals wieder werden wird.

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ASTROLIBRIUM: Jane Gardam „Letzte Freunde“ – Das Trilogie-Finale

Jane Gardams Trilogie findet mit „Letzte Freunde“ einen würdigen Abschluss. Es ist ein Finale, das so nicht erwartet werden konnte und deutlich aufzeigt, wie wichtig die Menschen sind, die eine Lebensgeschichte nur tangieren. Die Peripherie gerät plötzlich ins Rampenlicht und durch diesen Kunstgriff der Blickwinkelerweiterung realisiert man die Tiefe der Spuren, die Edward, Betty und Terry im Leben ihrer Freunde hinterlassen haben. Man erinnert sich nur an das Gute. Man verdrängt Peinlichkeiten und Abwege. Man bereinigt das Leben an seinem Ende um den Faktor „Unzulänglichkeit“.

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ASTROLIBRIUM: Anne Siegel „Señora Gerta“

Es ist die unfassbare Mischung aus überbordender Lebensfreude und Angst, die aus der Biografie Señora Gerta“ eine der lesenswertesten Geschichten Gegen das Vergessen macht. Der Autorin gelingt es, Gerta Stern ins Rampenlicht ihres eigenen Lebens zu stellen. Ihr gelingt, den Mut und den Tatendrang der Wienerin in die Herzen der Leser zu schreiben. Ohne Pathos und jegliche Glorifizierung. Was ihr noch gelingt? Uns heute klarzumachen, wie sich die Welt für jüdische Mitbürger fast stündlich änderte und wie wenige Menschen sich dagegen auflehnten. Anne Siegel schreibt nicht nur die Lebensgeschichte einer bewundernswerten Frau nieder, sie erzählt auch von einer Welt der Entrechtung und Ausgrenzung. Eine Welt, die so niemals wieder entstehen darf.

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ASTROLIBRIUM: Paulo Coelho “Die Spionin”

Paulo Coelho betont, dass der Roman an der wahren Geschichte orientiert ist. Es handelt sich vor dem Hintergrund seiner freien Erfindungsgabe nicht um eine Biografie. Dazu sind seine Dialoge und die Charakterisierung seiner Protagonistin zu sehr an den Gefühlen festgemacht, die sie für seine Leser erst greifbar machen. Coelho gelingt es, eine geheimnisvolle Frau zu entmystifizieren. Das schadet ihrem Andenken nicht. Sein Roman wird ihr gerechter, als so manche biografisch angehauchte Anwandlung, die für die zeitlose und dauerhafte Vergewaltigung einer Frau steht, die sich selbst investierte, um ihre Freiheit zu finden.

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ASTROLIBRIUM: Giorgio Faletti “Die kleine Feder”

Giorgio Faletti lässt die Feder über die Abgründe des Menschlichen schweben. Er greift nicht ein, beobachtet weise und zurückhaltend und überlässt die Egoisten und die Empathielosen ihrem Schicksal. Als er sich am Ende der Reise selbst begegnet, ahnen wir, was geschehen könnte. Doch in einer meisterlichen Wendung lässt sich auch „Der Mann des weißen Blattes“ von der wahren Bedeutung der Feder überraschen. Dieses Ende lässt keine Zweifel daran aufkommen, was Giorgio in seiner Geschichte suchte.

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ASTROLIBRIUM: Gustaaf Peek “Göttin und Held”

Ich kann nicht mit dem Beginn enden. Es wäre die schlechte Kopie der Konstruktion eines außergewöhnlichen Romans, der ein Liebespaar auf der Suche nach sich selbst beschreibt, keine Spielart der lebensbestimmenden Sexualität auslässt, die Sehnsucht nach dem Vergangenen zum Leitbild erhebt und der Perspektivlosigkeit des Jetzt Raum und Tiefe verleiht. Ich kann nicht mit dem Ende beginnen. Vielleicht lese ich den Roman noch einmal von seinem Beginn an und starte auf Seite 333. Vielleicht würde dies Sinn machen. Die Sehnsucht nach Zukunft würde es jedoch nicht beseitigen. Eine Sucht, die „Göttin und Held“ überstrahlt und zu einem sinnlichen Leseabenteuer macht, das dem Ende einen neuen Anfang verleiht. Mit einem Brief…

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ASTROLIBRIUM: Julia Engelmann „Jetzt, Baby“

Und jetzt stehe ich hier, um drei am Eck und warte. Ja, hier ist eine Verbindung zu Gedichten, die vom Erwachsenwerden handeln und doch weit davon entfernt sind, sich erwachsen anzuhören. Hier ist eine Schnittmenge, in der Julia Engelmann den Schnitt verweigert und ihren poetischen Erzählraum öffnet. Sie schließt mich nicht aus und gibt mir nicht das Gefühl, ihre Gefühle nicht teilen zu dürfen. Betonluftballons schweben in tristen Farben auch über meinen Visionen und Träumen. Dem Alltag zu entfliehen fällt mir ebenso schwer, wie der jungen Frau, die einfach mal loslassen möchte.

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ASTROLIBRIUM: Teri Terry “Book of Lies”

Ein grandioser All-Age-Roman für Leser, die eine satte Portion „Twin & Mystery“ verkraften können. Jede Familie hat ihre Geheimnisse und Legenden. Niemand lässt sich gerne in Schubladen stecken, die mit der Aufschrift „Du bist gefährlich“ versehen sind. Wir alle sind auf der Suche nach den tiefen Wahrheiten unseres Lebens. Hier hat Teri Terry ihre Leser im Kern ihrer Seelen getroffen und ganz nebenbei und spielerisch wichtige Themen berührt, die das Leben von Zwillingen so geheimnisvoll machen. Ist es die Umwelt oder sind es die Gene, die dem Menschen die Richtung vorgeben? Fühlen und denken Zwillinge immer das Gleiche? Was geschieht, wenn man Eineiiges trennt?

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ASTROLIBRIUM: “Schreiben Sie mir, oder ich sterbe”

Keiner der Liebesbriefe ist ohne emotionale Relevanz. Keiner passt in die üblichen Schablonen oder Klischees. Nichts ist belanglos und jede einzelne Geschichte regt an, ihr weiter auf die Spur zu gehen. So sucht man noch während des Hörens in den Tiefen des Internets nach einem Gemälde einer gewissen Manon Balletti. Ihre zaghaften und hoffnungsvollen Zeilen an Giacomo Casanova zeugen von der inneren Zerrissenheit, die von der jungen Frau Besitz ergreift, als sie sich in Casanova verliebt und alles in die Waagschale wirft, um ihn zu erobern.

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