Author Archive: BuchhaendlerGG

LeseEule – Rezension: John Greene “Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken”

Aza Holmes ist anders. Sie ist in ihrem eigenen Kopf gefangen. Ein falscher Gedanke und sie wird in die Spirale ihrer Gedanken hinabgezogen. Ihre beste Freundin ist Daisy. Daisy ist das komplette Gegenteil von Aza. Während Aza am liebsten in ihrem Toyota Corolla namens Harold durch die Stadt fährt, arbeitet Daisy in ihrer Freizeit bei Chuck-E.-Cheese und schreibt glühende Star-Wars-Fanfictions. Und trotzdem oder gerade deshalb sind die beiden aller beste Freunde.

Als der Milliardär Russell Pickett verschwindet, sehen Aza und Daisy dies als Chance, schnell an Geld zu kommen, denn auf Hinweise zu seinem Verbleib sind 100.000$ ausgeschrieben! Doch Davis, Picketts Sohn, macht Aza einen Strich durch die Rechnung. Die beiden kennen sich noch aus Kindertagen und als sie sich nun nach so vielen Jahren wieder begegnen, sind Gefühle quasi vorprogrammiert. Doch ist Aza mit ihren Zwangsneurosen überhaupt in der Lage, eine Beziehung zu führen?

Und können Daisy und Aza den verschwunden Milliardär doch noch aufspüren?

Das alles erfahrt ihr in ,,Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken“, dem neuen Jugendroman von John Green.

Ich war seit der ersten Minute von dem Buch gefesselt. Ich hatte das Gefühl, bei Aza zu sein, ihre Gedanken zu hören oder mit ihr und Davis den Sternenhimmel zu beobachten. Das bemerkenswerte, ist die Bodenständigkeit und Selbstverständlichkeit der Geschichte und Charaktere. Das Buch eignet sich als tolle Ablenkung für die grauen Tage und macht sich bestimmt auch perfekt unter dem ein oder anderen Weihnachtsbaum.

Wir danken LeseEule für diese Besprechung!

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hr-iNFO Büchercheck: Friedrich Ani „Ermordung des Glücks“

„Die Ermordung des Glücks“ spielt in München, Hauptperson ist Ex-Kommissar Jakob Franck. Er hat die besondere Begabung, verständnisvoll und einfühlsam Todesnachrichten zu überbringen. Trotz Pensionierung darf er das weiterhin – und so gerät er in den Fall eines vermissten elfjährigen Jungen, dessen Leiche nach 34 Tagen gefunden wird.
hr-iNFO Büchercheckerin Karin Trappe hat den Krimi gelesen.

Worum geht es?
Lennard Grabbe ist tot, seine Mutter Tanja verliert ihren Halt, ihren Lebensmittelpunkt, verliert auch endgültig den Kontakt zu Vater und Ehemann Stephan. Sie dreht durch, ein wenig Beistand findet sie bei ihrem Bruder, doch eigentlich existiert diese Familie seit der Todesnachricht nicht mehr. Das Glück, so sagt es ja auch der Titel des Buches, ist ermordet worden. Ex-Kommissar Jakob Franck hat diese entsetzliche Nachricht in die Familie gebracht. Er will wissen, wer Schuld hat an diesem Tod, an diesem Unglück, das zunächst so gar keine Spuren hinterlassen hat, kein Indiz, keinen Hinweis.

Wie ist es geschrieben?
Autor Friedrich Ani ist ein Meister der Psychologie: mit Ex-Kommissar Franck vertieft er sich in die Tiefen und Untiefen aller Personen, die sich um den nun toten Jungen bewegt haben. Er beleuchtet die Mutter, den Vater, einen Onkel, Nachbarn und vermutliche Augenzeugen des Mordes. Ein ungeheuer tiefgehendes Psychogramm von Personen –zum Beispiel von der Mutter Tanja Grabbe.
„Wenn sie ihn an diesem Abend ansah, hatte Franck den Eindruck, jenes Ewige Licht, das er hin und wieder in den Augen von Angehörigen als Beweis der unzerstörbaren Verbindung zu einem geliebten, toten Menschen wahrzunehmen meinte, sei in den Nächten ihrer eisigen Einsamkeit erloschen und kein Gebet, kein Lebensfreund, keine Zeitenwende könnten es je wieder entfachen.“

Wie gefällt es?
Friedrich Ani schreibt keine Thriller, keine atemlosen, aktionsgeladenen Krimis. Er ist der Autor für die leisen Töne, für die Hintergründe, die Melancholie, für die dunklen Seiten. Und die hat in diesem Fall fast jede und jeder: die Mutter, der Vater, der Onkel, niemand ist hier ohne Schuld, ohne wirklich verantwortlich zu sein an diesem so unglückseligen Tod eines elfjährigen Jungen. Es geht um Geheimnisse, das Schweigen, das Leiden, und ja, am Ende natürlich um das Unglück, das alle miteinander teilen. Trotzdem hat mich der Krimi „Ermordung des Glücks“ fasziniert, weil er nicht verzweifelt, eben nicht unglücklich macht, sondern schildert, dass Zufälle zum Verschwinden des Glücks führen können.

Friedrich Ani: „Ermordung des Glücks“, Suhrkamp-Verlang, 20 EUR, ISBN: 9783518427552

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hr-iNFO Büchercheck: Edward Docx „Am Ende der Reise“

Der britische Autor Edward Docx ist Journalist und Kritiker und hat bisher vier Romane veröffentlicht. Sein erster, „Der Kalligraph“, ist bisher auf Deutsch erschienen. Dieser Roman hat Lust gemacht auf mehr Bücher von Edward Docx, und so ist in diesem Herbst Edward sein jüngster Roman auch gleich auf Deutsch erschienen. Der Titel: „Am Ende der Reise“
hr-iNFO Büchercheckerin Sylvia Schwab hat den Roman gelesen.

Worum geht es?
„Am Ende der Reise“ ist ein Reiseroman. Aber zugleich auch ein Familienroman, denn diese Reise ist eine besondere: Louis’ Vater hat ALS und fährt mit seinem Sohn im schepprigen Familien-VW-Bus von London nach Zürich, um dort mit Hilfe der Organisation Dignitas einen begleiteten Suizid zu begehen. Unterwegs steigen noch Louis’ ältere Zwillingsbrüder zu, und im Laufe der folgenden Tage erleben die vier Männer einige kleiner Abenteuer, die sie zusammenschweißen. Und sie erfahren jede Menge intensiver Momente mit den anderen und sich selbst.

Wie ist es geschrieben?
Man könnte denken, das sei ein trauriger oder dunkler Roman. Aber das Gegenteil ist der Fall: „Am Ende der Reise“ funkelt nur so vor Lichtblicken! Edward Docx schreibt flüssig, farbig, witzig, sehr pointiert. Fast alles Traurige oder Pathetische bricht er ironisch auf. Es gibt ernste Szenen, was aber überwiegt, sind die witzigen. Die komischen Erzählungen und Situationen, die mit einem bitteren Familienhumor gespickten Erinnerungen. Und vor allem die absurden und bis zum Zynischen reichenden Dialoge unter den Brüdern.
„Was ist mit dir?“ frage ich. „Mit wem bist du zusammen?“ „Mit jedem. Mit allem. Mit niemandem.“ „Wie fühlt sich das an?“ „In geschlechtlicher Hinsicht sehr befriedigend. In intellektueller Hinsicht erfüllend. In spiritueller Hinsicht einsam.“ „Vielleicht bist du einfach ein frustrierter Monogamist.“ „Das hab ich auch schon ausprobiert. Fühlt sich an wie Sterben…..Dad, wie fühlt sich Sterben an?“

Wie gefällt es?
Es wird sehr viel geredet in diesem Roman – was sollen die Männer sonst auch tun auf ihrer Fahrt? At his best ist Edward Docx in den Dialogen. Die sind schlagfertig, scharfsinnig, spitzfindig, komisch. Oft vieldeutig, manchmal aggressiv, dann wieder sehr behutsam. Da geht es um alles, um Leben und Tod, Liebe und Glück, Zufriedenheit und Identität. Mir kommt Edward Docx’ Roman vor wie eine an langen Seilen hin und her schwingende Hängebrücke. Man blickt in den Abgrund – aber die Heiterkeit der Sprache und der spielerische Umgang mit den großen Themen tragen uns über diesen Abgrund hinweg.

Edward Docx: „Am Ende der Reise“, Kein & Aber, 25 EUR, ISBN: 9783036957654

hr-iNFO Büchercheck: John Banville „Die blaue Gitarre“

Oliver Orme ist eine bizarre Existenz. Er war Maler, ist aber an seinem Anspruch, das Wesen der Welt zu malen, gescheitert. Er hatte eine Familie. Aber seine Tochter ist gestorben, und seine Frau hat er verloren, weil er sie betrogen hat. Mit seiner Freundin klappt es auch nicht. Er hatte sie einem Freund ausgespannt. Überhaupt ist er Kleptomane. Nichts ist vor ihm sicher. Das Klauen hat für ihn eine erotische Dimension. Wie gesagt, ein bizarrer Typ. Eigentlich scheitert er immer an der Realität.
hr-iNFO Bücherchecker Frank Statzner hat den Roman gelesen.

Worum geht es?
Es geht wie so oft in John Banvilles Romanen um Schein und Sein, um Realität und Fiktion, um das Trügerische in der Welt. Was ist echt, was ist Täuschung? So ist es auch bei Oliver Orme. Sein Selbstbild und die Wirklichkeit, die Innen- und die Außenwelt passen nie zusammen. Er ist ein Egoist, wenn nicht ein Narzisst. Er ist hocheloquent. Daher gelingt ihm der Selbstbetrug so gut. Er kann sich gut rausreden. Man muss ihm, dem Ich-Erzähler, eine Weile folgen, um dann Seite um Seite seine Bodenlosigkeit zu erkennen und am Ende seine Lächerlichkeit. Er, der meinte mit seiner Kunst den Durchblick auf den Kern der Welt zu schaffen, hat gar nichts begriffen. Er hat sich als Opfer stilisiert und war doch immer Täter.

Wie ist es geschrieben?
Wenn dieser gescheiterte Ich-Erzähler sein wahres Wesen hinter einer glitzernden Sprache verbergen kann, dann liegt das am Autor, der ihm diese Sprache verleiht. John Banville ist ein Wortkünstler. Bestechend eloquent, geradezu artistisch und elegant, bildmächtig. Mit wenigen Sätzen baut er gewaltige Stimmungen auf. Zum Beispiel, wenn er seinen Protagonisten einen Traum erzählen lässt.
„Ein Sturm zog auf, und vom dem Fenster unten im Parterre sah ich eine unglaubliche hohe Flut heranrollen; die riesigen Wellen, schwerfällig von der Last des aufgewühlten Sandes, überstürzten sich in ihrem wilden Drang, das Ufer zu gewinnen, und warfen sich krachend gegen die niedrige Kaimauer. Ihre Kämme waren von schmutzig weißem Gischt gekrönt, und ihre tief gekehlten, glatten Unterseiten hatten einen glasig-bösen Glanz. Sie sahen aus wie wetteifernde Hundemeuten, die eine nach der anderen angerast kamen, wutschnaubend, mit weit aufgerissenem Rachen, wie toll, und immer wieder und mit voller Wucht zurückgeschleudert wurden in die Fluten(…..) Ich frage mich, was das alles zu bedeuten hat und warum mich dieser Traum verfolgt, seit ich im Morgengrauen schweißgebadet daraus hochgefahren bin. Ich mag solche Träume nicht, solche wirren, bedrohlichen, bedeutungsschwangeren Träume voll unerklärlichen Zeichen.“

Wie gefällt es?
„Die blaue Gitarre“ ist ein ausgesprochen künstlerisches Buch. Es hat keine spannende Handlung. Ich glaube,man muss es sich erschließen. Mir ist das über die Sprache John Banvilles und die gekonnte Übersetzung gelungen. Es ist ein Buch für stille Winterabende, aber kein Schmöker, sondern ein Buch zum Genießen für Leser mit Lust auf kunstvolle Sprache.

John Banville: „Die blaue Gitarre“, Kiepenheuer&Witsch, 22 EUR, ISBN: 9783462050257

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REGIONALIA Gerhard Zimmermann “Die schönsten Wälder Hessens”

Ebenso wild wie schön sind sie, unsere Wälder! Die scheinbar unberührte Natur – gleichsam Rückzugsort und Freizeitstätte – täuscht so manches Mal über einen langen Einfluss und eine traditionsreiche Bewirtschaftung durch den Menschen hinweg.
Gerhard Zimmermann – Filmmacher und passionierter Naturfotograf – erzählt wunderschöne, faszinierende und auch überraschende Geschichten über Hessens schönste Wälder. Von der erdgeschichtlichen Entstehung über die frühere und gegenwärtige wirtschaftliche Nutzung bis hin zu Flora und Fauna spannt sich der Bogen; gekonnt hält der Autor die Waage zwischen imposantem Bildband und aufschlussreicher wissenschaftlicher Lektüre.

hr-iNFO Büchercheck: Uwe Timm „Ikarien“

Uwe Timm ist ein Schriftsteller, der die Untersuchung der deutschen Vergangenheit immer wieder mit der Erkundung der eigenen Familiengeschichte verbindet. So auch in seinem neusten Roman „Ikarien“.
hr-iNFO Bücherchecker Alf Mentzer hat den Roman gelesen.

Worum geht es?
In „Ikarien“ rekonstruiert Uwe Timm die Geschichte von Alfred Ploetz, dem Großvater von Uwe Timms Ehefrau. Er war Mediziner und im 19. Jahrhundert zunächst ein begeisterter Sozialutopist. Als solcher besuchte die sogenannten „Ikarier“, eine Kommune im amerikanischen Iowa. Wieder in Deutschland wandte sich Plötz der Rassenforschung zu und wurde schließlich zum Stichwortgeber für den Massenmord der Nazis an Kranken und Behinderten im Namen der sogenannten Rassenhygiene. Was lässt einen Idealisten und Utopisten zum furchtbaren Mediziner werden, an welchen Punkt schlägt Idealismus in Menschenverachtung um – das sind die Leitfragen dieses Romans.

Wie ist es geschrieben?
Uwe Timm erzählt aus der unmittelbaren Nachkriegsperspektive, er erzählt aus der Sicht eines jungen deutschstämmigen US-Soldaten, der den Auftrag erhält, im zerstörten Deutschland die Forschungsergebnisse des Eugenikers Ploetz zu sichern. Diese Figur des Michael Hansen – wie er heißt – erlaubt es Uwe Timm, die Geschichte in klar konturierten, spannungsvollen Gegensatzpaaren zu erzählen – da ist sein Freund George, der sich bald auf das Beobachten von Vögeln beschränkt und deren Vielfalt als Gegenentwurf zum Einheitsdenken der Nazis begreift. Und da ist Wagner, der ehemalige Weggefährte von Ploetz, der zum überzeugten Sozialisten wurde und die Alternative zu NS-Ideologie vom Recht des Stärkeren so formuliert:
„Nein, es sind gerade die Schwachen, die von der Unvollkommenheit wissen, es sind die Schwachen, die in sich die Hoffnung tragen, dass die dumpfe, vor Kraft und Blut dampfende Natur nicht im Recht ist. … Es sind nicht die in Saft und Kraft Stehenden, sondern die Verstümmelten, die an sich und dieser Welt Leidenden, die das Licht der Erkenntnis mit sich tragen. Die Schwachen sind die Starken, weil sie nach Gerechtigkeit verlangen.“

Wie gefällt es?
Ikarien ist ein Roman, den ich mit großer Spannung und teilweise auch mit Bestürzung gelesen. Zu erfahren, mit welcher Überzeugung sich Mediziner gegen jedes Mitleid immunisiert haben, wie sie Kinder und Hilfsbedürftige im Dienste einer Ideologie ermorden ließen und auch nach dem Kriegsende teilweise immer noch der Euthanasie das Wort redeten, ist schockierend. Teilweise war mir dabei die Gegenüberstellung von Gut und Böse allerdings zu schematisch.
Und trotzdem, es ist ein Buch, das genau zeigt, wie eine Einstellung, die nur das Wohl des Volkes und nicht das Schicksale der Einzelnen im Blick hat, zwangsläufig in die Unmenschlichkeit führt. Insofern auch ein Buch, das sehr aktuell ist und dem ich viele Leser wünsche.

Uwe Timm, „Ikarien“, Kiepenheuer und Witsch, 24 Euro, ISBN: 9783462050486

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REGIONALIA Helmut A. Rehfeld “Mord beim Richtfest”

Im Neubaugebiet >Hoher Sandhügel< wird fröhlich Richtfest gefeiert. Doch da wird die laue Augustnacht von Schüssen zerrissen, der Bauherr ermordet. Die Ermittlungen der Kriminalpolizei erbringen lange Zeit keine eindeutigen Hinweise auf den Täter oder ein Motiv, bis sich durch Zufall eine Wende ergibt.

Mit diesem Krimi veröffentlicht Helmut A. Rehfeld aus Stockstadt sein viertes Buch bei TRIGA – Der Verlag.
“Mord beim Richtfest” ist eine spannende Kriminalgeschichte mit viel Lokalkolorit.

hr-iNFO Büchercheck: Lindsey Lee Johnson „Der gefährlichste Ort der Welt“

Lindsey Lee Johnson hat mal Schülern Nachhilfe gegeben. Einem Interview zur Folge dort, wo jetzt ihr erster Roman angesiedelt ist. Dieser Job ist die Brücke zu ihrem Roman. Er hat offenbar einen realen Hintergrund.
hr-iNFO Bücherchecker Frank Statzner hat den Roman gelesen.

Worum geht es?
Mill Valley, ein Kleinstädtchen nördlich von San Francisco, wenige Kilometer von der Golden Gate Bridge entfernt. Eine wohlhabende Gegend. Geld, Häuser, Autos, Essen aus dem Biomarkt sind die Norm. Die Erwachsenen haben gute Jobs. Aber der Roman geht um ihre Kinder. Aber das Besondere ist, dass diese Kinder asozial aufwachsen. Ihre Eltern kümmern sich nicht um sie. Meinen, die Kreditkarte reiche aus. Andere verstehen ihre Kinder einfach nicht. Narzissten, ohne Empathie. Dave ist eines dieser verunsicherten und gezeichneten Kinder:
„Seine Eltern wussten bestimmt, was richtig war. Mit dem Leben musste es irgendetwas auf sich haben, was er noch nicht ganz verstand: es musste irgendeinen Grund geben, warum das unscheinbare Leben, das er sich vorstellte, nicht in Ordnung war. Vielleicht stimmte es ja, dass Dave einfach noch nicht wusste, was er wollte und das Glück, das er ersehnte, sich ihm so lange entziehen würde, bis er lernte, von Höherem und Besserem zu träumen.“
Die Kinder Hängen im Netz ab, hängen an oberflächlichen Reizen, an Konsum und Drogen, mobben sich. Vermeintliche Freundschaften von In-Groups halten die kleinsten Belastungstests nicht aus. Einer bringt sich um, andere geraten aus der Spur, wieder andere flüchten sich in gesellschaftliche Randgruppen. Der gefährlichste Ort ist einer, in dem die oberflächlich betrachtet hochattraktive Umgebung zu einer seelenlosen Hülle geworden ist und das Internet zur abgründigen Ersatzheimat. Am Ende ist es eine virale Kampfzone, in der sich die Kinder und Jugendlichen gnaden- und bedenkenlos fertig machen mit Fotos, Videos und Beschimpfungen. Schon eine Liebesoffenbarung kann in diesem Milieu eine Treibjagd in Gang setzen. Gerade erst erwachsen, sind sie alle schließlich vom Leben bereits gezeichnet.

Wie ist es geschrieben?
Johnson steigt voll ein in ihre Geschichte, mit dem Selbstmord eines Achtklässlers, der in einem Schulaufsatz zuvor die ganze Tristesse unter der Dunstglocke seines Wohnorts beschreibt. Dann macht sie einen Zeitsprung von ein paar Jahren und erzählt, wie es mit den Überlebenden weiter geht, pro Kapitel eine andere Person. Das Besondere: sie findet eine Sprache für diese Kinder und Jugendlichen. Das macht die Geschichte so realistisch.

Wie gefällt es?
Das Buch ist gut lesbar. Es ist spannend zu erfahren, wie sich die Charaktere entwickeln, wie der Tod des Mitschülers, den sie alle mitzuverantworten haben, ihr Leben beeinflusst. Und es ist schockierend zu lesen, wie sich eine Generation entwickeln kann, wenn ihr Leben von Netz und Konsum bestimmt wird und zu Hause keine Werte mehr vermittelt werden. Dass das manchmal ein wenig holzschnittartig ist – ok.

Lindsey Lee Johnson: „Der gefährlichste Ort der Welt“, dtv-Verlag, 21 EUR, ISBN: 978-3423281331

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REGIONALES: Charly Weller “Totenwind” Der vierte Fall für Kommissar Worschtfett

Kalt weht der Wind im Vogelsberg …
Ein Auto im Graben einer abgelegenen Landstraße im Vogelsberg. Im Kofferraum die Leichen eines Ehepaars mit aufgeschlitzten Pulsadern. Selbstmord oder Verbrechen?
Und was hat es mit der abgetrennten Fingerkuppe auf sich, die am Vorabend auf der Polizeiwache abgegeben wurde?
Diesen und einer Reihe weiterer Fragen müssen Kommissar Roman Worstedt und seine Kollegin Regina Maritz nachgehen, um mit ihren Ermittlungen schließlich in Namibia zu landen. Denn die Hintergründe des Falls reichen zurück bis in die Kolonialzeit.

Mainz: Rudolf Büllesbach, Hiltrud Hollich, Elke Tautenhahn “Bollwerk Mainz”

Vor und während des Ersten Weltkriegs entstand unter größter Geheimhaltung in Mainz und Rheinhessen eine der wichtigsten Festungen im Westen des Deutschen Reiches. Diese erstreckte sich von Ingelheim über Mainz bis nach Nierstein und führte entlang vieler rheinhessischer Ortschaften. Die Festung bestand aus vierzehn großen Forts sowie mehr als 350 modernen Festungswerken, Lagerplätzen, Wasserwerken, Fernmeldestationen sowie einem eigenen Eisenbahnnetz und einer Zahnradbahn. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Festung geschleift und gesprengt.
Was war die Festung Mainz? Welche Bedeutung hatte sie für den Krieg? Warum geriet sie in Vergessenheit?
In jahrelanger Detailarbeit haben die Autoren aus der Region in Archiven und vor Ort recherchiert und bisher unbekannte Dokumente, Karten und Fotos zusammengetragen. Regionalgeschichtlich Interessierte werden im Buch eine spannende und weitgehend unbekannte Seite von Rheinhessen kennenlernen. Das Buch schließt auch eine Lücke in der überregionalen Festungsliteratur.

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